Ausstellungen: Triennale zur Fotografie, Graz · von Heinz Schütz · S. 386
Ausstellungen: Triennale zur Fotografie, Graz , 1993

Krieg.

»Österreichische Triennale zur Fotografie 1993«

Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum und öffentlicher Raum im Umfeld des Forums Stadtpark, Graz, 17.9. – 31.10.1993

von Heinz Schütz

In Graz findet erstmals die Österreichische Triennale zur Fotografie statt. Sie steht unter dem Titel „KRIEG“. Das bedeutet für den Rezensenten: Er wird zum Kriegsberichterstatter – exakter: zum „Kriegs“-Berichterstatter. Dieser bedarf zum Glück weder einer kugelsicheren Weste noch eines Stahlhelms, sondern ausgerüstet mit Weinglas und Bleistift, wendet er sich unter dem Geplauder der Vernissagegäste dem „Krieg“ zu. Hinter den winzigen Anführungszeichen von „Krieg“ verbirgt sich die Kluft zwischen der Kriegsrealität und ihrer Darstellung. Sie zeigt sich auch als Diskrepanz zwischen der Kriegsrealität und ihrer komfortablen Rezeption. Darin unterscheidet sich das Kunstereignis „Krieg“ in keiner Weise von den Zeitungs- und Fernsehbildern, die täglich neben dem morgendlichen Müsli oder dem abendlichen Knabbercocktail konsumiert werden. Der Vorwurf der Obszönität vermag beide gleichermaßen zu treffen, den sensationsgierigen Reporter, der mit seinen Bildern Auflagen und Zuschauerzahlen steigert, wie auch den Ausstellungsmacher – Künstler und Rezensenten eingeschlossen -, der mit dem Thema „Krieg“ den Kunstbetrieb bedient. Was allerdings wäre Krieg ohne Kriegsberichtserstattung? Hieße es nicht letztlich, den Krieg zu ignorieren, ihn als selbstverständlich zu akzeptieren? Kann der Kunstbetrieb, wenn in unmittelbarer Nähe der Krieg wütet, zur Tagesordnung übergehen, so als sei nichts? Man sage nicht, aufgrund ihrer medialen Darstellung seien Kriege heute ohnehin omnipräsent. Je näher das Kriegsgeschehen rückt, desto mehr wächst die (potentielle) Bedrohung des eigenen Lebens. Die Nähe zum Krieg im zerstörten Jugoslawien veranlaßte die Grazer Aus- stellungsmacher Werner Fenz und Christine…

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