Uruguay
Gerardo Goldwasser
PERSONA
Kommissarin: Silvana Bergson Kurator*innen: Laura Malosetti Costa und Pablo Uribe Ort: Giardini
„Persona“ ist ein Fachbegriff aus der Theaterwelt für das im Spiel wahrgenommene Gesicht einer Figur, für die Schauspielmaske, womit Gerardo Goldwasser (*1961) seine Arbeit überschreibt. Für Goldwasser gehört Bekleidung zur „Persona“, weil sie eine die Persönlichkeit erweiternde „Repräsentation der Körper“ ist, womit der in Montevideo lebende Künstler die Frage danach aufwirft, wie Körper verkleidet und somit ausgestellt werden im Spannungsfeld zwischen Uniformität und Individualität, was die Modeindustrie bekanntlich auszutarieren sucht. Die Besucher*innen dürfen sich deshalb beim Betreten des uruguayischen Pavillons gleich mit ihrer eigenen „Persona“ befassen, weil sie sich in voller Größe in einem Spiegel erblicken, also mit sich selbst konfrontiert sehen, bevor sie den Ausstellungsraum betreten. Dort in dem relativ kleinen Ausstellungsraum führt der Gang vorbei an einer Wandarbeit aus schwarzen Jackettärmeln, die exakt nebeneinander installiert sind und in ihrer Strenge sowie in der minimalistischen Geste ganz entfernt an die abstrakten Textilinstallationen eines Franz Erhard Walther denken lassen, jedoch bei Goldwasser ein biografisch motiviertes Genreübergreifend zum Kunsthandwerk manifestieren.
So verweist Goldwassers Installation auf eine kunsthandwerkliche Tradition in seiner Familie: sein Vater und sein Großvater waren Schneider. Letzterer konnte sich aus dem KZ Buchenwald befreien, weil er Uniformjacken für die Nationalsozialisten schneiderte. Die Raummitte wird von Skulpturen eingenommen, nämlich von mächtigen Textilballen, in die offenbar Schnittmuster eingerollt sind, die teilweise am Ende der Rolle sichtbar werden. Die auf Schwarz-Weiß reduzierte Farbgebung der Installation will auf das Notizbüchlein eines Schneiders verweisen, das der Künstler von seinem…
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