Magazin: Publikationen , 1999

Vorführdamen

Almut Junker (Hg.) »Frankfurt Macht Mode 1933-1945«

„Trotz der propagierten ,deutschen Mode‘ waren die Modelle von internationalem Schnitt. ,Deutsch‘ hingegen waren die Materialien, die Vertreibung der Juden aus der Bekleidungsbranche und die Zwänge der Kriegswirtschaft.“ Volker-Joachim Stern und Luise Kreiling-Stern hatten die Ende der 60er Jahre beinahe weggeworfenen Überreste des Modeamts der Stadt Frankfurt am Main aufgehoben. Auf ihre Anregung hin entwickelte Almut Junker vom Historischen Museum Frankfurt die forschende Ausstellung ,Frankfurt Macht Mode 1933-1945′, deren Exponate und Ergebnisse nun auch in Buchform vorliegen. 350 Fotos, fünf Presseausschnitt- und vier Modemappen, vier Kostüme sowie Knöpfe, Stoffe oder Schuhe mit Absätzen aus Plexiglas sind die kümmerlichen Reste, welche nun aufgearbeitet und in einen stadthistorischen Rahmen gefaßt wurden. Ausstellung und Buch zeichnen die vielzähligen Verbindungen von „ästhetischer Moderne“ und dem „Schrecken und den wirtschaftlichen Folgen der Rassengesetzgebung“ (Direktor Rainer Koch) nach. Zugleich wird das Klischee vom Dirndl-Look des Faschismus korrigiert, hingegen die international orientierten wie auch innerstaatlich-propagandistischen Effekte hervorgehoben.

„Die gute Laune ist ein Kriegsartikel“, äußerte Reichspropagandaminister Goebbels, während sich die Mode auf Uniform umstellte. Kleidungsvorschriften gegenüber den an der „Heimatfront“ eingesetzten Frauen wurden vorsichtig formuliert, gerade weil Mode gefällig sein sollte. Im Unterschied zu Film, Architektur, Musik oder Literatur unterlag die Modebranche keiner strikten Parteilinie. Eine Ächtung „entarteter Mode“ durch eine „Reichskleiderordnung“ war also nicht vorgesehen. „Vor allem darf im totalen Krieg kein Krieg gegen die Frauen geführt werden. … Die Frauen stellen doch eine ungeheure Macht dar, und sobald man die Hand nach ihrer Schönheitspflege ausstreckt, wird man sie zum Feinde haben.“…

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von Jochen Becker

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