Magazin: Publikationen · von Jürgen Raap · S. 492
Magazin: Publikationen , 1999

Street Art Berlin

Eine Dokumentation von Bernhard van Treeck

Seit 1993 publiziert Dr. Bernhard van Treeck, im Hauptberuf Arzt und Klinikleiter, Dokumentationen über „Street Art“. Seine terminologischen Differenzierungen des Scene-Vokabulars „Writings“ (Buchstabengestaltungen), „Tags“ (Signaturengraffiti) und „Pochoirs“ (Schablonengraffiti) haben ihm inzwischen den Ruf eines anerkannten Fachmanns der Sprühdosenkunst eingetragen. Der Begriff „Street Art“ ist jedoch viel umfassender – er tangiert z.B. auch jene Selbstdarsteller, die inmitten der Schaulustigen Christos und Jeanne Claudes Reichstagsverhüllung mit eher karnevalesken Umtrieben begleiteten. Zur Street Art sind die „plastischen Interventionen“ von Christian Hasucha ebenso zu rechnen wie die illegalen Skulpturen von Reinhard Pfeiffer, der schon zu DDR-Zeiten im öffentlichen Raum agierte, und auch die „East Side Gallery“, ein 1,3 km langer, authentisch erhaltener Mauerabschnitt, an dem heute Künstler wie Thierry Noir ihre früheren Bemalungen restaurieren. Bisherige Dokumentationen beleuchteten immer nur Einzelaspekte und -projekte. „Street Art Berlin“ ist hingegen der erste ausführliche Umriß von Raffael Rheinsbers verhüllten Parkuhren (1985) bis zu einer 1998 aufgestellten Keith-Haring-Skulptur und den schillernden Underground-Aktivitäten.

Zusammen mit seinen Co-Autoren Horst Michael Nungesser, Heinz Kuzdas und Hilmar Schmundt skizziert van Treek von einer kurzen Rückschau auf die offizielle Staatskunst vor 1945 und der miefigen DDR-Auftragskunst her die Entwicklungslinien der „Wandmalerei zwischen Kosmetik und Kollektivgeist“ und der Skulptur „vom Denkmal zum persönlichen Sinnzeichen“ in einer Stadt, bei der die jahrzehntelange krasse Verfilzung von Politik und Bauunternehmertum zu architektonischen Sünden und Fehlleistungen geführt hat, die zu off-künstlerischer Gegenwehr geradezu herausfordern. Das allein erklärt natürlich noch nicht die Antriebsmotivationen der Street-Artisten, denn „Pieces“ und „Throw Ups“ findet man heute ebenso…

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