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Ausstellungen: Salzburg · S. 396 - 396
Ausstellungen: Salzburg , 1989

Gabi Czöppan
Walter Obholzer

Galerie Thaddäus Ropac, 4.10.-23.12.1989

Sie schimmern seidig von den Wänden, rosé, bleu, jaune, mit Flair und „des fleurs“, ein Hauch Wiener Salon, ein aufgeschlitztes „vertikales Panorama“ mit Einblick in die sanft parfümierten Boudoirs der Jahrhundertwende. Mit Stuck dekoriert und umrandet, halten sie das feine Flimmern, das von ihnen ausgeht, in Grenzen und den Betrachter auf Distanz.

Die Wandarbeiten des Wiener Künstlers Walter Obholzer geben einen vagen Eindruck eleganter, seidentapezierter Innenräume. Seine „vertikalen Panoramen“ sind Wand-Bilder im wortwörtlichen Sinn. Obholzer malt Tapetenteile (Tapisserien) und Architekturdetails auf millimeterdicke Aluminiumbleche, so hauchdünn gepinselt und haarfein gesprüht, daß man selbst in Zentimeter-Nähe vor ihrer „Echtheit“ zurückschreckt. Durch die Immaterialität dieser Malerei sinkt das Bild gleichsam in die Mauerebene ein. Malerei und Wandfläche wandeln sich zu einer osmotischen Haut, die scheinbar atmend sich in dem jeweiligen Raum auszudehnen scheint, ohne je von ihm Besitz zu ergreifen. Ihr Sein bestimmt sich durch ein vertikales Gefühl in einem abstrakten Raum und ist lediglich durch ihr strenges Hochkantformat definiert.

Die Platten sind direkt an der Wand angebracht, erwecken aber den Eindruck, gerade darin zu versinken; Obholzer bettet sie in vergipste Stuckleisten, die aus der Wand zu wuchern scheinen. Es gelingt ihm, sie zwischen Tiefe, Oberfläche und Trompe-l’oeil zu balancieren. Sie sind keine Bilder im eigentlichen Sinn, sondern Malerei als Architektur.

Einige entstanden nach ornamentalen Vorbildern, andere verstehen sich als Porträts imaginärer Personen und haben Titel: Bei „Gustav“ etwa mag man an die nordisch-kühle Strenge Schwedens denken, bei „Friedrich“ an den Preußenkönig, „Hermann“ und seine Tapetenschemen mögen an den Tintenklecks-Test…


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