Thomas W. Kuhn
Whitney Biennial: 2010
Whitney Museum of American Art, New York, 25.2. – 30.05.2010
Bescheidenheit signalisierte der Titel der diesjährigen Whitney-Biennale – 2010. Nach 100 Künstlern in 2006, 81 Teilnehmern in 2008 wurden für 2010 nur 55 Künstler ausgewählt. Auch standen der Kunst lediglich drei Etagen zur Verfügung, abgesehen von Einzelwerken im Basement und dem Erdgeschoss. Vor zwei Jahren hatte man noch zusätzlich das nahe gelegene Armory Building auf der Park Avenue genutzt. Zudem wurde die Zahl der ausgestellten Werke so weit reduziert, dass im Gegensatz zu vorangegangenen Biennalen die Werke aufgelockert und museal präsentiert werden konnten.
Anlässlich der inzwischen 75. Jahres- beziehungsweise Zweijahresausstellung seit 1932 wurde der 4. Stock inklusive zugehörigem Mezzanin der Ausstellung „Collecting Biennials“ gewidmet. Die Auswahl beinhaltete Werke, die direkt aus den Ausstellungen heraus für die Sammlung des Whitney erworben wurden oder von den daran teilnehmenden Künstlern stammen.
Hauptverantwortlicher Kurator war Francesco Bonami (*1955). Als Assistent vom Museum stand ihm Garry Carrion-Murayari (*1980) zur Seite. In ihrem gemeinsamen Katalogtext distanzierten sie sich bewusst von einem übergeordneten Thema, aber auch von der Möglichkeit, einen Querschnitt durch die aktuelle US-amerikanische Kunstszene mit Anspruch auf Vollständigkeit ziehen zu können. Ein ökonomischer Grund für diese Bescheidenheit hinsichtlich Inhalt und Umfang dürfte allerdings auch der Verlust des Sponsors Altria (ehem. Philip Morris) sein, der 2008 seine seit 1967 bestehende Zusammenarbeit beendet hatte.
Die Resonanz der US-Medien war traditionell kritisch. Sebastian Smee vom Boston Globe (25.2.2010) erlebte die Biennale als inkohärent, vollgestopft mit kunstimmanenter Kunst. Auch Holland Cotter kritisierte das Phänomen der „art-about-art“ in der…
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