Titel: Das Gartenarchiv , 1999

Alan Sonfist

(Bia.) Der Künstler hat seine Zeitskulpturen mit dem Trademark „Natural/Cultural Landscapes“ versehen. Damit thematisiert er die Landschaft als menschliche, als soziale und historische Erfahrungsqualität: „Die Grundidee meiner Arbeiten benennt immer die Wechselbeziehung von Mensch und Natur. Dies auch in einem geschichtlichen Zusammenhang. Wir sind Teil der Natur, zugleich aber verbrauchen und verdrängen wir sie aus unserem unmittelbaren Lebensumfeld, den Städten.“

Alan Sonfists Kunst befaßt sich mit dem Rhythmus des Universums: „Eine Pflanze wächst in Zyklen, ein Mensch bewegt sich in Zyklen. Ich versuche, die Erkenntnis dieser Bewegung zu vermitteln.“ Sonfist untersucht Landschaften – persönliche, ländliche, städtische -, um die bisher einfach hingenommenen Veränderungen sichtbar zu machen: „Meine Erfahrung auf meinen Reisen ist, daß allerorts vergessen wurde, woraus das gegenwärtige Erscheinungsbild einer Gegend oder Stadt eigentlich erwuchs. Dies wieder ins Bewußtsein zu rücken ist äußerst wichtig.“

Seit 1965 erschafft Sonfist rund um die Welt archäologische, narrative Landschaften an Orten, wo die Patina der Technologie das Land verdeckt. Er untersucht die ursprüngliche Vegetation und versucht mit der Hilfe von Geologen, Archäologen und Botanikern Wälder, Flüsse, Sümpfe und Wasserläufe wieder in ihrem Ursprung herzurichten. Die berühmteste Intervention unternahm er unter dem Titel „Time Landscape“ an der Ecke Houston Street und La Guardia Place im New Yorker Greenwich Village. Dieser Garten ist ein Fenster in die Vergangenheit: Er zeigt die Geschichte der lokalen Vegetation auf, bevor der Mensch eingriff. Hügel, Kiefernpflanzungen, Hartholzbäume und Wildblumen vermitteln das Bild einer intakten Vegetation, erinnern an den Garten Eden, an eine Zeit der unschuldigen Anfänge auf der Erde -…

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von Paolo Bianchi

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