Ausstellungen: Köln , 1999

Jürgen Kisters

Blalla W. Hallmann

Galerie Susanne Zander, Köln, 25.4. – 16.6.1999

Als Blalla W. Hallmann in Köln lebte, waren gerade die sogenannten jungen wilden Maler in aller Munde. Hallmann (1941-1997) war keiner von ihnen, denn schließlich malte er schon seit den späten fünfziger Jahren. Doch tatsächlich war er wilder in seinen Bildern als all die jungen Wilden zusammen. Und das lag nicht nur an seiner malerischen Leichtigkeit, mit der er die figürliche Darstellung handhabte, und an der Kraft seiner Farbpalette, sondern vor allem an der Unversöhnlichkeit seiner Sicht auf die (klein-)bürgerliche Welt der kapitalistischen Konsumgesellschaft, speziell die der Deutschen und ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit. Voller Zorn und Verachtung hat er wieder und wieder ihre gierige, gewalttätige Fratze gemalt, gespickt mit sexuell-obszönen Provokationen und Gemeinheiten, die in ihrer bildlichen Direktheit gleichermaßen witzig wie schonungslos sind. Eine Auswahl dieser Kunst, die leicht auf Ablehnung stößt, doch nie gleichgültig sein läßt, ist derzeit in der Galerie Susanne Zander zu sehen.

Hallmanns Wut erfaßte alles, was den meisten Menschen heilig oder selbstverständlich ist. Einer knienden nackten Frau kriechen todgeweihte Kinder aus dem After, während auf ihrem Rücken die Mutter Gottes den versehrten Christus auf dem Schoß liegen hat, und der Tod als Schmetterlingsfänger und ein Geier lauernd warten. Der „Held der Arbeit“ hat einen Fernseher anstelle eines Kopfes und die Bildzeitung in der Jackentasche, unterdessen Geschäftemacher und Justizbeamte ihn mit Geboten und Gesetzen bedrängen, verführen und benebeln. Eine schwarze Bildserie zur deutschen Vergangenheit zeigt einen Eisenbahnzug, der ein fahrendes Krematorium ist und Leichenberge transportiert, während die letzten Überlebenden…

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von Jürgen Kisters

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