Ausstellungen: Köln · von Jürgen Raap · S. 390
Ausstellungen: Köln , 1999

Jürgen Raap

Peter Bömmels

»Hart bleiben beim weich Werden…«

Galerie Almut Gerber, Köln, 23.4. – 12.6.1999

Man weiß aus der Erfahrung kindlicher „Reiterkämpfe“, welches Gefühl für Balance und welcher Kampf gegen die Schwerkraft vonnöten sind, wenn man eine Person im „Huckepack“ auf dem Rücken tragen soll, die sich allzu zappelig anstellt. Bei Peter Bömmels gebärden sich in einer solche Szene zwei Gestalten in einer Weise, wie man sie realiter höchstens Zirkusakrobaten zutraut, die als Schlangenmenschen auftreten: eine Frau hat sich auf dem Rücken eines Mannes festgeklammert und streckt gleichzeitig nach vorne eines ihrer Beine zwischen seinen Oberschenkeln hindurch. Daß in einer Variation dieses Motivs der Fuß der Frau nicht nur Schelme an einen Penis denken läßt, der sich aus dem Mantel des Mannes schiebt, gehört zu den „Neben-Gags“, die die Bilder und Zeichnungen des Zyklus „Hart bleiben beim weich Werden“ neben der eigentlichen Aussage als Konnotationen enthalten.

Wer sich noch an die Installationen erinnert, die Peter Bömmels in den achtziger Jahren in der Galerie Paul Maenz zeigte, der weiß, daß seine stilistische Haltung auch damals nicht jene vordergründige Expressivität hatte, gepaart mit einer Unbekümmertheit, wie man sie seinerzeit den „jungen Wilden“ anhaftete. Formen waren bei ihm nämlich immer schon exakter durchgearbeitet. Seine heutigen Kreidezeichnungen auf Leinwand und die Papierarbeiten lassen eine Freude an der zeichnerischen Virtuosität erkennen, die mit einem vorsichtigen und zugleich auch leichten Duktus die Form auf dem Bildgrund fixiert. Klare Umrißlinien, bei denen Bömmels sich häufig auf die bloße Andeutung von Körperlichkeit beschränkt, zurückhaltende Schraffuren und großzügig-leere Flächen als Handlungsorte einer Bilderzählung…

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