Ausstellungen: Köln · von Reinhard Ermen · S. 392 - 392
Ausstellungen: Köln , 1999

Reinhard Ermen

Rütjer Rühle

»Bilder 1981 – 96«

Krings-Ernst Galerie, Köln, 23.4. – 3.7.1999

1986 zeigte Krings-Ernst erstmals Arbeiten von Rütjer Rühle (*1939 in Danzig), der seit 1970 in Paris lebt und arbeitet. Jetzt, in einer fünften Einzelausstellung, lag es nahe, eine Art Rückblick, warum nicht: Retrospektive zu zeigen, das heißt Bilder von 1981 bis 1996.

Dieser Rütjer Rühle ist ein Maler, der erst einmal in Erstaunen versetzt. Da scheint einer im übertragenen Sinne mit Erde und Feuer umzugehen. Den Farbmassen, die er bewegt, ist jedenfalls eine Materialität eigen, die an Lavamassen erinnert. Massige Strudel, eben erkaltet, kreisen auf den großen Leinwänden. Sand hat sich unter die Pigmente gemischt. Die Oberflächen sind so spitzgratig und schrundig, daß man sich an ihnen verletzen kann. Die offensichtlich abstrakten Bilder als ‚abstrakt‘ zu bezeichnen, erscheint verfehlt; und es geschieht hier trotzdem. Das Übermaß der Expression läuft womöglich auf eine Art magische Konkretion hinaus. Eine nicht zu übersehende Portion an Esoterik irritiert. Manche dieser Bilder wurden zuvor „geträumt“. Hier arbeitet einer, der nur schwer einzuordnen ist, und sich trotzdem auf dem Kunstmarkt behaupten muß.

Was neben solchen emotional bemühten Einstiegskriterien aus dem Rahmen fällt, ist eine eigenwillige Nähe zur afrikanischen Kunst, besser: zu außereuropäischen Archaismen. Die Entdeckung der „Toguna-Form“, gabelförmigen Pfosten, die das Dach der männlichen Versammlungsstätten bei den Dogon (Mali) tragen, diese Form mit einem eingelegten Rund, wird ihm zu einer Art Erweckungserlebnis: Seine mehr oder weniger abstrakte Expression wird von einer ganz anderen Tradition berührt. Eingebungen wie die der Toguna-Pfosten finden ganz unmittelbar Eingang in seine Kunst. So…

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