Gespräche mit Künstlern , 2014

Claudia Märzendorfer

Ankommen auf der Landebahn der Gedanken

Ein Gespräch von Ursula Maria Probst

1969 in Wien geboren, studierte Claudia Märzendorfer Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste bei Bruno Gironcoli. Ihr Atelier befindet sich in einem der zwei geschichtsträchtigen Pavillons der Wiener Weltausstellung von 1873 inmitten einer idyllischen Grünanlage im Wiener Prater. Legendäre Bildhauer wie Fritz Wotruba, Joannis Avramidis, Alfred Hrdlicka meißelten hier ihre Skulpturen in Stein oder produzierten Bronzeabgüsse. Claudia Märzendorfers bildhauerische Praxis unterscheidet sich von ihren Vorgängern nicht nur durch die Wahl ihrer Materialien, sondern durch einen subtilen, erweiterten Skulpturbegriff. Ihre künstlerische Praxis umfasst Projekte, die sich gängigen Erwartungen gegenüber Kunst als greifbares Produkt entziehen. Angetrieben von einem anarchistischen Weltverständnis produziert sie Installationen aus Staubpartikel oder formt aus Wasser in komplizierten Gussverfahren Eisskulpturen und abspielbare Eisschallplatten, die sich mit der Zeit verflüchtigen oder während ihrer Präsentation dahinschmelzen. In ihren Arbeiten geht es um eine Verschiebung von “Normalsituationen” und um die Umsetzung paradoxer Ideen, wie im Fall der gestrickten (Re-)Konstruktion von Ersatzteilen eines Lastwagens. Claudia Märzendorfer zielt durch ihre Kunst-am-Bau-Projekte, Installationen, Skulpturen und Zeichnungen darauf ab, Dinge in Bewegung zu zeigen. Gleichzeitig bildet das Archiv, die Auseinandersetzung mit den heutigen Ausmaßen von Datenspeicherung und deren Unkontrollierbarkeit einen wichtigen Aspekt ihrer Arbeit.

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Ursula Maria Probst: Die Kuratorin Jeanette Pacher beschreibt deine künstlerische Praxis als den Darstellungsversuch eines Moments, der aus der Kontrolle geraten zu sein scheint. Eine gewagte Behauptung, durch die Kontrolle und Kontrollverlust in direkte Beziehung zueinander gesetzt werden.

CLAUDIA MÄRZENDORFER: Das ist mein Zugang zur bildenden Kunst, in dem nicht die Ware,…

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von Ursula Maria Probst

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