Ausstellungen: Berlin · S. 218
Ausstellungen: Berlin , 2014

Thomas W. Kuhn

Mariana Castillo Deball

»Parergon«

Hamburger Bahnhof, Berlin, 20.9.2014 – 1.3.2015

Es handelt sich um ein komplexes Geflecht, das Mariana Castillo Deball (*1975 in Mexiko-Stadt) in der Gleishalle des Hamburger Bahnhofs fast beiläufig mit disparaten Objekten und großzügiger Geste inszeniert. 2013 hatte die in Berlin lebende Mexikanerin den Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst erhalten und erhielt, anders als die Preisträger der Vorjahre, keinen Scheck, sondern die Möglichkeit für eine Einzelausstellung in einem der Häuser der Nationalgalerie. Gemeinsam mit der Kuratorin Melanie Roumiguière entstand ein Konzept, das eine Spurensuche durch 100 Jahre Berliner Sammlungsgeschichte einleitete. Der ehemalige Bahnhof, der bereits ab 1906 als Museum genutzt, bildete dabei den Ausgangspunkt der Recherche, deren Ergebnisse nicht nur die ausgewählten und hier versammelten Exponate sind. Ein Audioguide liefert zusätzliche Informationen zu einem Teil der Objekte, ergänzt von einer 16-seitigen Zeitung. Mit einer schnellen Wanderung durch die Ausstellung ist es also nicht getan, sie erfordert Zeit, innerhalb der auf den verschiedenen medialen Ebenen allmählich ein Zusammenhang entsteht.

Wesentliches gliederndes Element in der Ausstellung sind die transluziden meterhohen Vorhänge, auf denen in zwei Teilen die Fassade des Winterpalasts von Mschatta in Jordanien abgebildet ist. Die Fassade aus dem 8. Jahrhundert gelangte 1903 nach Berlin und gehört zu den bedeutendsten Exponaten des Pergamonmuseums und konnte in der Ausstellung nur als Reproduktion sichtbar gemacht werden. Mariana Castillo Deball thematisiert an Hand dieses Exponats verschiedene Aspekte und Ebenen. Primär steht die Kennzeichnung des Bauwerks als ein außergewöhnliches künstlerisches Zeugnis einer stilistischen Übergangsphase zwischen byzantinischer und islamischer Kunst. Dann geht es um…

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