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Ausstellungen: Köln · S. 320 - 321
Ausstellungen: Köln , 1990

Jürgen Kisters
Clemens Weiss

»Fragmente«

Josef Haubrich Kunsthalle, Januar – 4.2.1990

Die Vielfalt der Welt und die Summe der eigenen (Lebens-)Erfahrungen lassen sich nur in Fragmenten einholen. Jeder Blick auf die Welt bleibt brüchig, jedes Bild unvollkommen und jedes Sammeln unvollständig. Diese Erkenntnis weiß um den Umgang mit Wissen als prinzipiell brüchigen und unabgeschlossenen Prozeß. Der Düsseldorfer Clemens Weiss, derzeit wohnhaft in New York, entwickelt seine künstlerische Arbeit daher in der Form eines grundsätzlichen Bastelwerks in Entwicklung. Seine „Fragmente“ sind in stetiger Erweiterung und Veränderung, können laufend neu zusammengestellt und umgebaut werden.

Im Mittelpunkt seiner Installation in der Kölner Kunsthalle stehen ein massives Eisenregal und zahlreiche ungleich hohe und unregelmäßig arrangierte Glaspodeste, die über und über mit Gegenständen gefüllt sind; ein unübersichtliches Konglomerat von Einzelheiten, die nicht auf einen Begriff zu bringen sind. Zeichnungen, Skizzen, Collagen, verschiedene Fundstücke, Landkarten, beschriebene Notizkladden und Bücher werden in unterschiedlich großen, zugeklebten, aber einsehbaren Glaskästen aufgehoben und übereinandergeschichtet. So entstand ein verschachteltes Gebilde gesammelten Materials, das durch die Hände des Künstlers gegangen ist. Am Anfang aller Kunst steht ganz offensichtlich das (Auf-)Sammeln von Dingen und Momentaufnahmen. Kunst hat zu tun mit Aneignen: nicht einer, sondern aller Facetten, die einem Menschen über den Weg laufen und seine Realität ausmachen. Clemens Weiss unternimmt den Versuch, dieser komplexen Erfahrungswelt gerecht zu werden. Alles erscheint wichtig: das Berühren von Gegenständen nicht weniger als die Architektur einer Stadt, die Geschichte mit den eigenen Eltern ebenso wie das vertrackte Beziehungsgeflecht, das ein Telefonbuch sichtbar werden läßt. Beobachtungen gehen in Phantasien über, körperliche in geistige…


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