Titel: Künstlerpaare II , 1990

Manifest der ZWEI

Jurij Sobolew (geb. 1928 in Moskau) wird zur vieldiskutierten sowjet-russischen Avantgarde der Gegenwart gerechnet. Er hielt sich im Sommer 1988 zum zweiten Mal in der Nähe von Zürich auf, zusammen mit seinem ebenfalls bekannten Kollegen Eduard Gorochowskij (geb. 1929 in Winniza/Ukraine). Die beiden errichteten, unterstützt von ihren Frauen Galja und Nina, in der Zürcher Ostwest-Galerie eine Installation mit dem Titel „Russische Magie“ und stellten mit einem Manifest gleichzeitig die neue Gruppe ZWEI vor.

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Mit dieser Installation stellen wir eine neue Gruppe, ZWEI, vor, die aus zwei Künstlern besteht: Eduard Gorochowskij und Jurij Sobolew.

Zum künstlerischen Konzept von Eduard Gorochowskij gehört die Idee, daß in jedem Kunstwerk die Grundzahl ZWEI enthalten ist, daß es sich aus ZWEI Elementen aufbaut, die dann ein Neues, Drittes, erzeugen. Wir sind im Begriff, diese Idee auch mit der Bildung der Gruppe ZWEI zu verwirklichen.

Die Begegnung zweier Grundeinstellungen, der religiösen, ozeanischen von Jurij Sobolew und der tief-existentiellen, tragischen von Eduard Gorochowskij, wird möglich in dem Raum, in dem Kunst gemacht wird. Wir glauben daran, daß sich die wahren Tragödien in den Bildelementen abspielen und daß der Inhalt, die Botschaft, eines Bildes ein bloßes Nebenprodukt ist, das aus diesen Tragödien resultiert. Die Mittel des Ausdrucks werden zur Botschaft, die aus sich heraus die ganze Lebenserfahrung des Künstlers im Hier und Jetzt ausdrückt.

Wir wissen beide, daß die produktivste Art der Arbeit die in einem Gefängnis, hinter einem Gitter, ist. Jeder von uns baut für sich selbst eine methodologische Gitterstruktur. In diesem Käfig fühlen wir uns wirklich frei. Der…

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