Titel: Cool Club Cultures · von Sadie Plant · S. 130
Titel: Cool Club Cultures , 1996

Sadie Plant

Clubszene oder Die starlose Leere

Club Dadada (Graz), A Night At The Show (Zürich), Trabant (Wien) und Joined (Köln)

Die Texte, Statements und Berichte in diesem Kapitel des „Cool Club Cultures“-Heftes beschäftigen sich mit dem Konzept des Clubs als Kneipe (Trabant), als Vergnügungspalast (A Night at the Show), als Forum für avantgardistische Experimente (Club Dadada), als Stätte der Zerstreuung (Joined) und vielleicht auch, was für alle Clubs gelten kann, der Zuflucht. Der Club ist auf alle Fälle ein Kulturphänomen, das so wenig oder so viel mit Kunst zu tun hat wie Madonna mit Micky Maus. Clubs haben als alternatives Forum für die Entwicklung radikaler Kunstformen wie Performance, Installation oder neuer Musik Wesentliches geleistet. Dazu kommt, daß ein Club ganz anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegt als etwa eine Galerie oder ein Theater.

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Vom Mitmachen zum (Nieder-)Machen

Die Tendenzen in der heutigen Clubszene leiten sich her aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts mit seinen Kunstformen und Technologien, seinen Grenzen und ihrer Auflösung und Überschreitung. Die Dadaisten hatten bereits während des Ersten Weltkrieges mit ihren performanceartigen Aktionen die Richtung gewiesen.

1916 wurde in Zürich das „Cabaret Voltaire“ gegründet. Hier fand sich ein, wer eine vergangene Welt hinter sich lassen wollte; hier hatten Künstler Gelegenheit, ihrer nihilistischen Passion zu frönen; hier sollte sich Performance in Chaos auflösen und das bourgeoise Publikum schockiert werden. Zürich war ein Freiraum und das Cabaret desgleichen: Dichtung und Wahnsinn, fremdartige Musik, Simultanlesungen zusammenhangloser Worte und geräuschvoller Verse, vorgetragen von Künstlern in skurrilen Masken und bizarren Kostümen.

Im „Cabaret Voltaire“ wurde eine nichtsahnende Welt mit einem neuartigen…

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