Titel: Cool Club Cultures · von Christian Höller · S. 160
Titel: Cool Club Cultures , 1996

Dick Hebdige

»Heute geht es um eine anti-essentialistische Kulturproduktion vom DJ-Mischpult aus«

Über Cultural Studies, die Autorität des Intellektuellen, Mode und über die Module des Theorie-Samplings

Gespräch von Christian Höller

Hegemoniale Agenda

Christian Höller: Im 1979 veröffentlichten Buch „Subculture“ verwenden Sie als zentrales Erklärungsmodell die Opposition von hegemonialer Kultur und gegenkulturellen Praktiken. Was waren die Vorteile dieses Modells? Glauben Sie, daß es heute noch Gültigkeit besitzt?

Dick Hebdige: Die Arbeiten über Jugendkultur, die Leute wie Paul Willis, John Clarke, Tony Jefferson, Angela McRobbie und ich in Birmingham durchführten, versuchten zu indizieren, welche Rolle Kultur für die Individuen spielt, die diese Kultur machen und die von dieser Kultur „gemacht“ werden. Welche Rolle sie also in politischer Hinsicht spielt. Wir versuchten, den Kulturbegriff und den Bereich von kritischer Kulturtheorie über das rein akademische Feld hinaus zu erweitern und zu erforschen, wie Veränderung auch von unten, nicht bloß von irgendeiner idealistischen Konzeption her, möglich wäre.Wir schrieben im Schatten von 68, und selbst die Definition bzw. das Zelebrieren von Gegenkultur, also Hippie-Kultur im Verhältnis zur Studentenrevolte, war damals sehr beschränkt. Unsere kritische Kulturanalyse wollte untersuchen, inwiefern die untergeordneten Klassen oder das, was man heute die „niedrige Kultur“ (abject culture) nennt, Widerstand gegen die dominanten Welterklärungsmodelle und kulturellen Normen leisten können. Welch starke und signifikante Wirkung ihr Abweichen von der hegemonialen Agenda hat.Die Beschäftigung mit klassenspezifischer Kultur, etwa der der Arbeiterklasse – was ja ein Witz ist, wenn man an die verbreitete Arbeitslosigkeit in den Metropolen denkt – in Auseinandersetzung mit hegemonialen Normen hatte damals durchaus ihre Legitimität und ist,…

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