Titel: Cool Club Cultures , 1996

Gerwald Rockenschaub

»Als DJ liefere ich Sex für die Ohren und als bildender Künstler Augensex«

Gespräch von Paolo Bianchi

»Die ganze heutige Kunst ist Popkultur. Fernsehen, Film,Werbung, Mode, Pop und Techno – das ist die heutige zeitgenössische Kunst, das alles zusammen macht Kultur aus. Die Kunst, von der wir reden, ist ein Spezialgebiet. Mich interessiert diese Einbahnstraße nicht, sondern ein viel größeres Spektrum. Meine Ideen entwickle ich in diesem popkulturellen Umfeld.«
Gerwald Rockenschaub

Seine ersten Arbeiten waren dem Graffiti-Stil und der hieroglyphischen Kunst der Geisteskranken verwandt. Den darauffolgend praktizierten konstruktiven Ansatz hat er in alle Richtungen der Kultur ausgeweitet, um dabei zwar auf das Tafelbild zu verzichten (1987 malte er sein letztes Bild), ohne jedoch dem Bildkörper abzuschwören. Nicht alle wollen es wahrhaben, aber den Neo-Geo-Star Gerwald Rockenschaub aufs geometrische Bildermachen reduzieren zu wollen, verfängt nicht mehr. Bevor er die Kunsthitparade stürmte, tingelte Rockenschaub bereits während seiner Zeit an der Wiener Kunsthochschule mit der New-Wave-Band Molto Brutto durch die Lande. Der Erfolg im Kunstbetrieb brachte ihm Ruhm, Ehre und Geld. Der Erfolg machte ihn auf die Länge aber nicht glücklich. Er hat dem Kunst-Mainstream zwar nicht den Rücken gekehrt, ist aber zugleich auch andere Wege gegangen. Wenn Rockenschaub als Deejay das Mixen des Sounds beherrscht, so dann als bildender Künstler den Crossover zwischen Art and Pop.

Hieß es um 1980 „Art goes Pop“ und galt sein damaliges Interesse der New-Wave- und Punk-Subkultur, so gilt in den neunziger Jahren das Motto „Pop goes Avantgarde“, womit Rockenschaubs Engagement in der House- und Club-Szene gemeint ist, die er als…

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