Gespräche mit Künstlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 322
Gespräche mit Künstlern , 1996

Michael Ray Charles:

»Ich will mich der Ängste vergewissern, die Frieden und Kommunikation verhindern«

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

Michael Ray Charles, in New York als Entdeckung gefeiert, macht den bad boy, den bösen Buben, der nicht einmal davor zurückschreckt, es Kunst zu nennen, wenn er seine visuellen Botschaften auch noch in Sätzen auf flinkbemalten Leinwänden mitteilt. Mit Gesellschaftskritik will Ray Charles, was viele wollen. Nur gelingt es ihm besser. Das heißt zunächst Absage an geschmeidig integrierbare Betroffenheitsgesten oder bildhafte Früchte des Zorns. Statt dessen überrascht er die Gesellschaft gewissermaßen aus dem Hinterhalt. Seine subtilen Provokationen, deren Einsichten zu enträtseln sind, kommen unprätentiös, mit viel Humor und seltsamer Ironie daher. Comicstrips, sonstige triviale Ausdrucksmittel und die Art, wie er Bild mit Sprache mischt, verbreiten als Paravent vor dem konzeptuellen Kalkül den Anschein von angenehmer Nebensächlichkeit. Daß seine Kunst nicht aus dem Luftleeren kommt, ist ebenso klar, wie es die An- knüpfungspunke nahelegen. Klärend wirkt in dieser Beziehung, daß er die Pop-art als Referenz akzeptiert. Darüber und über die Konflikte zwischen Schwarzen und Weißen sprach mit ihm Heinz-Norbert Jocks.

*

H.-N.J.: Verstehst du dich als ein politisch-orientierter schwarzer Künstler?

M.R.C.: In gewissem Sinne, ja. Irgend jemand sagte mir einmal, jede Kunst, die so etwas wie Veränderung oder einen Wandel bewirken will, sei politischer Art. Mir persönlich gefällt es nicht sonderlich, so bezeichnet zu werden, weil damit ein abqualifzierendes, ja abfälliges Urteil verbunden ist. Gewiß, ich gehöre zwar zu einer Gruppe afro-amerikanischer Künstler, die als politisch eingestuft wird. Nur habe ich mit meiner Arbeit nicht nur so etwas…

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