Ausstellungen: Berlin · von Judith Elisabeth Weiss · S. 256
Ausstellungen: Berlin , 2017

Cornelia Schleime

Ein Wimpernschlag (Hannah-Höch-Preis 2016)

Berlinische Galerie 25.11.2016 – 24.04.2017
von Judith Elisabeth Weiss

Nach fünf Ausreiseanträgen wurde ihre Übersiedlung von Ost- nach West-Berlin im Jahr 1984 endlich genehmigt. Nur einen Koffer und eine Rolle mit ihren letzten Bildern konnte die Künstlerin damals mitnehmen, als sie mit ihrem kleinen Sohn Moritz binnen weniger Stunden überstürzt die DDR verlassen musste. Stasi-Bespitzelung (wie sich später herausstellte durch ihren besten Freund) und Ausstellungsverbot waren vorausgegangen – zu eigensinnig, zu unbequem waren ihre Gegenbilder zu den Auferlegungen sozialistischer Gesellschaftsentwürfe. Sie wurde gezwungen, nahezu ihr gesamtes Frühwerk in Ost-Berlin zurückzulassen; es sollte bis heute verschwunden bleiben. In der Berlinischen Galerie, die sich unter anderem der Kunst des geteilten und wiedervereinten Berlin widmet, wird Cornelia Schleime (*1953 in Ost-Berlin) nun für ihr Lebenswerk mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis des Landes Berlin geehrt. Endlich, möchte man sagen, denn die Schau ist die erste institutionelle Einzelausstellung der Preisträgerin in der Hauptstadt. Seit langem zählt sie zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen ihrer Generation und wurde bereits mit etlichen Retrospektiven in bedeutenden Museen und Galerien geehrt. Die Überblicksausstellung spannt den Bogen von einigen frühen Arbeiten aus den 1980er-Jahren – Fotografien ihrer Körperinszenierungen und Super-8-Filme, die noch in der DDR entstanden sind – bis hin zu Reisetagebüchern und aktuellen, bislang noch nie in Ausstellungen präsentierten Werken aus dem Besitz der Künstlerin.

„Im Osten habe ich einem Bullen, der am Grenzübergang stand, eins mit dem Regenschirm drübergezogen – das war die Form, meinem Frust Platz zu verschaffen – nicht der Pinsel.“ Es ist eben…


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