Ausstellungen: Remagen · von Martin Seidel · S. 305
Ausstellungen: Remagen , 2010

Martin Seidel

Das Fundament der Kunst

»Die Skulptur und ihr Sockel seit Auguste Rodin«

Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 25.6. – 24.10.2010

Themenausstellungen sind beliebt. Beliebt vor allem sind jene, die die Kunst an aktuellen gesellschaftlichen Diskursen beteiligen. Seltener wendet man sich den ureigenen Phänomenen der Kunst, Form-, Farb-, od­er Materialfragen, zu. Auch so etwas Elementares wie der Sockel in der Bildhauerei stand bislang nicht in den Agenden der Kuratoren.

Dabei ist der Sockel ein überaus wandlungsfähiges und entsprechend vielschichtiges Phänomen, das mehr beinhaltet als die wie auch immer geartete Standfläche von Sonnenkönigen und Dichterfürsten, von Siegern und Herrschern. Wie abwechslungsreich und spannend die Auseinandersetztung mit dem Sockel sein kann, zeigt die Ausstellung „Das Fundament der Kunst. Die Skulptur und ihr Sockel seit Auguste Rodin“, die als Kooperation des Arp Museum Bahnhof Rolandseck, der Städtischen Museen Heilbronn und dem Gerhard-Marcks-Haus Bremen entwickelt wurde.

Die Ausstellung geht das Alphabet der Sockelformen nicht systematisch durch. Sie zeigt an Beispielen des 20. und 21. Jahrhunderts eine breite Auswahl an Erscheinungs- und vor allem Bedeutungsformen: den dienenden architektonischen Sockel (in der Bronze der „Reitenden Amazone“ von Franz von Stuck), den reduzierten Sockel, den schließlich aufgegebenen, dann ironisierten Sockel, den verfemten und wieder angeeigneten und auch den autonomen Sockel.

So sehr sich die Auffassungen wandelten: Ausgangspunkt der meisten der 90 Exponate bleibt der unauslöschlich in die kollektive Wahrnehmung eingebrannte Umstand, dass der Sockel Bestand und Voraussetzung einer die längste Zeit der Kunstgeschichte panegyrischen und propagandistischen Kunst und Instrument der Einschüchterung und Distanzierung war.

Der Sockel als auch museal eingespielte Pathosformel macht nicht nur besser…

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