Titel: 6. Berlin Biennale , 2010
Dresdener Straße 19

Wenn ein Ort der 6. Berlin Biennale ein Gegenmodell zum White Cube darstellt, dann dieser: In dem ehemaligen „Café Firat“ an der Dresdner Straße hängt der Zigarettenqualm aus 30 Jahren. Man fühlt sich zurückversetzt in die Zeiten, als es noch keine rauchfreien Zonen gab und die Leute so angezogen waren, wie in dem Film „The Girl Chewing Gum“ von John Smith. Zwölf Minuten dauert der 1976 ursprünglich auf 16-mm-Film gedrehte Streifen. Schauplatz ist irgendeine Straßenecke in einer englischen Stadt. Auf Anweisung des Regisseurs bewegen sich die Passanten ins Bild – einzeln oder in Gruppen folgen sie exakt seinen in ziemlich befehlsmäßigem Ton gerufenen Vorgaben. In Wirklichkeit ist es natürlich genau umgekehrt: Smiths Regieanweisungen sind nichts weiter als im Nachhinein gesprochene Beschreibungen des Geschehens auf der Straße. „Ich werde an einer Straßenecke filmen und ich werde das filmen, was auf der Straße passiert, und später werde ich dann die Regie dazu machen“ – das war sein ebenso simples wie subversives Konzept. Ursprünglich hatte er gehofft, die Polizei würde seine Filmarbeiten stoppen, und er könnte dann auch diese Aktion als vorgeblich geplantes Ende verbal „dirigieren“. Eine witzige und gelungene Persiflage auf die Ansprüche der Kunst auf die Wirklichkeit und auf die Allmachtsattituden von Regisseuren.

Kohlfurter Straße 1

Nein, es ist keiner der schönen Altbauten, die in Kreuzberg entlang des zugeschütteten Luisenstädter Kanals noch zu finden sind. Das Atelier von Danh Vo liegt im 4. Stock eines gesichtslosen Wohnblocks aus den 50er-Jahren und ist definitiv der letzte Ort, an dem man zeitgenössische Kunst…

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von Susanne Boecker

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