Ausstellungen: Düsseldorf · von Renate Puvogel · S. 290
Ausstellungen: Düsseldorf , 2010

Renate Puvogel

The Fate of Irony

KAI 10 / Raum für Kunst 24.4. – 24.7.2010

Sie verlassen die ironiefreie Zone” – dieser Hinweis samt kleiner gedruckten Erklärungen steht in vier Sprachen schwarz auf weiß auf einem freistehenden Plakat. Die Holztafel, von Peter Jap Lim in der Manier der Warnschilder am Übergang von der BRD in die ehemalige DDR gefertigt, ist nun ausgerechnet dort aufgestellt, wo man den ironiegeladenen Ausstellungsbereich in Richtung normale Büros verlässt. Dadurch konterkariert das Plakat das Thema der Ausstellung und erhält gerade deshalb seinen Sinn, basiert der Ironiebegriff doch auf derlei methodischen Widersprüchen. Der Begriff ist darüber hinaus im Laufe der Geschichte sehr unterschiedlich ausgelegt worden. Aber ein wesentliches Kriterium, das sich durch sämtliche Dekaden von der Antike eines Sokrates über die Romantik im Sinne Friedrich Schlegels bis in die Postmoderne hinein als gemeinsamer Faktor ausmachen lässt, ist das Moment der Distanz. Sie sorgt für eine gewisse doppelte Perspektive, bei welcher dem unmittelbaren Erlebnisraum eine abgehoben kritische Reflexionsebene gegenüber steht.

Eine derartige Doppelbödigkeit sollte eigentlich jedes Kunstwerk in sich tragen; leider gleitet das Ironische dabei leicht in besserwisserisches Kalauern ab. Dem gegenüber spricht Schlegel bereits höchst modern von dem Akt der Selbstschöpfung, mit welchem jener einer Selbstvernichtung kongruiert. Entsprechend kreisen in der Ausstellung viele Exponate um die Frage nach einer Ich-Identität und um das Verhältnis zwischen Ich und Welt. Julia Oschatz tummelt sich bei ihrer multimedialen Arbeit in vielerlei Gestalt inmitten einer Szenerie à la C.D. Friedrich, während Julia Kissina in ihren „Unbekannten Meisterwerken“ das (eigene) Schöpfertum mehreren kritzelnden Händen überträgt…

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