Fotografie: Rotterdam · S. 303
Fotografie: Rotterdam , 1991

Frank-Alexander Hettig

Der Abstand

Nicht die konstruierte, arrangierte oder inszenierte Fotografie wird in dieser Ausstellung gezeigt, sondern die direkte, dokumentarische Abbildung der Wirklichkeit steht hier im Vordergrund. Die in dieser Ausstellung gezeigte realistische Tendenz wird der formgebenden gegenübergestellt, wobei die einzelnen Arbeiten auch isoliert und nicht in pathetischen Formzusammenstellungen kombiniert oder in einer Installation zusammengefügt sind.

Die Fotografien tragen wegen des objektiven Registrierens von Landschaften oder Fragmenten davon nur Titel mit dem Ort und dem Zeitpunkt der Aufnahme. Durch dieses dokumentarische Material wird auf die Utopie oder Visionen verzichtet. Weder mit Pathos noch mit soziologischer Bedeutung, sondern mit Distanz, beinahe Desinteresse, und unparteiisch, fast seelenlos, wird der ungekünstelte Ursprung der uns umgebenden Natur durch acht Künstler gezeigt.

Den nüchternen Abstand als Registrierung der anonymen Beziehung zwischen Menschen zeigt Thomas Struth in seinen frontal aufgenommenen Porträts von Familien ohne Emotionen: eine typologische und anthropologische Erkundung mit Hilfe der objektiven Kamera. Obwohl er keinen neutralen Hintergrund gebraucht, bleibt trotzdem die Identität der Gruppe in Frage gestellt. Mit nüchternem Blick registriert und archiviert er die Zeugnisse eines „anonymen“ Verbandes, welcher jedoch nur mit Unbestechlichkeit und Präzision und deren Verband erst durch den Betrachter mit Hilfe des Textes entdeckt wird.

Der englische Künstler Craigie Horsfield präsentiert Menschen, Straßen und Gebäude aus Krakau, als ob sie klassische Schwarzweiß-Gemälde wären. Die Zeit, der Ort oder Aktivitäten der Menschen werden kühl zur Kenntnis genommen und ohne Arrangements oder Re-Inszenierungen gezeigt. Es sind jedoch keine „Zeitdokumente“, denen ein hoher geschichtlicher Rang eingeräumt wird.

Der in Leipzig geborene und nun in Düsseldorf lebende Künstler Andreas…

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