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Magazin: Hochschulen & Akademien · S. 412 - 413
Magazin: Hochschulen & Akademien , 1991

Johannes Meinhardt
Die Akademie Schloß Solitude

Ein Bericht von der Eröffnung

Am 13. November wurde die „Akademie Schloß Solitude“ als eine Einrichtung des Landes Baden-Württemberg offiziell eingeweiht (auch wenn der Betrieb schon am 1. Juli 1990 mit etwa der Hälfte der Plätze aufgenommen worden war). Schloß Solitude, noch innerhalb der Stadtgrenzen von Stuttgart im Wald liegend, ist vor allem dadurch bekannt, daß dort schon einmal eine Akademie eingerichtet war: Die „Hohe Carls-Schule“, die Militärakademie (oder eher Kadettenanstalt) des Herzogs Carl Eugen, der 1763 die Schloßanlage errichten ließ, war 1773-75 dort untergebracht; berühmt wurde diese Akademie jedoch vor allem deswegen, weil einer ihrer Schüler diese Institution so unmenschlich und unerträglich fand, daß er, um seine geistige Gesundheit fürchtend, durchbrannte und sich als Dramatiker durchschlug: Friedrich Schiller. Wenn Jean-Baptiste Joly, der Gründungsdirektor der neuen Akademie, feststellt: „Nur zwei Stipendiaten von der Art eines Friedrich Schiller oder Georges Cuvier würden den ganzen Aufwand rechtfertigen“, so klingt dieser Satz ungewollt etwas zweideutig.

Dabei ist der Aufwand durchaus beachtlich: Mit einem unabhängigen Etat, der aus den Einnahmen der „Rubbel-Lotterie“ gespeist wird (abhängig vom Aufkommen: 2,5 bis 2,8 Millionen DM), und mit 45 Künstlerwohungen (verbunden mit 12 Maler-, 2 Bildhauer- und 13 Musikerateliers) hat diese Institution einen lebensfähigen Umfang. Die Stipendien, die für 6, 12 oder 18 Monate verliehen werden, sind neben Wohnung und Atelier mit 1.500 DM dotiert; künstlerische Verpflichtungen bestehen nicht, Tätigkeitsnachweise wie Aufführungen oder Ausstellungen sind nicht vorgeschrieben. 15 Künstlern aus der DDR wurde kurzfristig ein zweimonatiges Reisestipendium verliehen, „um ihnen die Kunst Europas zugänglich zu…


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