Ausstellungen: München · von Rainer Metzger · S. 331
Ausstellungen: München , 1993

Rainer Metzger

Die Arena des Privaten

Kunstverein München, 25.3. – 8.5.1993

Mitte der achtziger Jahre forschte die Hamburger Kunsthalle in einer der letzten ihrer legendär gewordenen Themenausstellungen dem Topos des Weiblichen nach. „Eva und die Zukunft“ hieß die Präsentation, und bei aller dokumentarischen Potenz der Belege war es eines der letztendlich wohl unbeabsichtigten Ergebnisse der Schau, daß der Blick Gustave Courbets auf seine „Jeunes filles au bord de la Seine“ nicht weniger begehrlich war als jener von Hans Makart auf das nackte Gefolge beim „Einzug Karls V. in Antwerpen“. Der Revoluzzer und der Salonmaler waren beide zunächst einmal Männer. Und die Frauen blieben in den altvertrauten Mustern naturwüchsig-organischer, hingebungsvoller Kreatürlichkeit gefangen, egal, ob sie im Freien oder im Atelier auf die Leinwand gebannt wurden.

An eine Renaissance der Themenausstellung dachte der Münchenr Kunstverein mit seiner Gruppenpräsentation zur „Arena des Privaten“ durchaus. Die im letzten Jahrzehnt zu Ehren gekommene Historisierung von Kunst in der Nachfolge von Erwin Panofskys „Dokumentsinn“, nach dem im Werk dem Künstler selbst verborgene Bedeutungsschichten freizulegen seien, sollte einem neuen, dem glorreichen traditionell materialistischen Blick unterworfen werden. „Die Arena des Privaten“ erhob sich also um die Frage, wie, in den Worten von Kunstvereins-Direktor Helmut Draxler, „private und öffentliche Diskurse sich wechselseitig kreuzen und soziale Wirklichkeit neu codieren“. Die Beziehung der Geschlechter innerhalb der Familie, die Reduktion der vielbeschworenen „Keimzelle des Staates“ auf Kernfamilie oder Singledasein, das veränderte Verhältnis von Arbeits- zu Freizeit: diese Phänomene markieren den „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ am Horizont des einzelnen. Wie sie in der Kunst der letzten Jahrzehnte ihren…

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