Titel: Kunst Geschichte Kunst , 1993

Von der Kritik zur Affirmation der Malerei

Heinz Schütz im Gespräch mit Dieter Hacker

Während der sechziger Jahre stehen Dieter Hackers Arbeiten im Umfeld des Konstruktivismus. 1971 eröffnet Hacker in Berlin die „7. Produzentengalerie“. Er betreibt sie bis 1984. Mit der Gründung der Galerie zieht er nicht nur die praktische Konsequenz aus der damals florierenden Kritik der Kunst und des Kunstbetriebes, vielmehr bildet auch die kritische Analyse der institutionalisierten Voraussetzungen von Kunst den Schwerpunkt der von Hacker durchgeführten Ausstellungen. Malerei als tradierte Kunstgattung, Museum und Kunstkritik sind Themen seiner Ausstellungen. Die Frage nach der politischen Funktion der Kunst, nach dem Verhältnis von Privatem und Öffentlichem führt Hacker zur Auseinandersetzung mit subversiven Artikula- tionsformen. Die Ausstellung „Alles ganz große Scheiße!! Dokumente einer Blockade“ etwa zeigt Zeitungen, die eine Zeitungsausträgerin zum privaten Vergnügen kommentierte. Oder: „Bürger werden am Kopf mit Sendern angepeilt belauscht angeredet verfolgt gefoltert“ dokumentiert die Graffiti des „Sendermanns“. Einen breiten Raum sowohl in den Ausstellungen als auch in der zusammen mit Andreas Seltzer herausgegebenen Zeitung „Volksfoto“ nimmt die Fotografie ein, insbesondere die Amateurfotografie.

Am Anfang von Hackers Galerietätigkeit steht die Denunziation der Malerei. Am Ende ist Hacker selbst zum Maler geworden. Die Wende vollzieht sich allmählich seit 1975. Wenn sich die ersten Bilder noch kritisch mit den Mitteln der Malerei mit Malerei befassen – man denke etwa an das durchgestrichene Landschaftsbild mit dem Titel „Immer wieder lasse ich mich dazu hinreißen, unglaublich schöne Bilder zu malen“ -, so affimiert Hacker heute die von ihm einst als restaurativ kritisierte Gattung. Der Übergang von…

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von Heinz Schütz

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