Ausstellungen: Bremen/Santa Barbara/Sssen/Graz · von Jochen Becker · S. 320
Ausstellungen: Bremen/Santa Barbara/Sssen/Graz , 1993

Jochen Becker

Mistaken Identities

University Art Museum, Santa Barbara, 11.11. – 20.12.1992

Museum Folkwang, Essen, 11.2. – 31.3.1993

Forum Stadtpark, Graz, 29.4. – 30.5.1993

Neues Museum Weserburg/Forum Langenstraße, Bremen, 6.6. – 15.8.1993

Louisiana Museum, Humblebaek, 17.9. – 14.11.1993

Das ist die „politisch korrekte“ und „multikulturelle“ US-Kunst, vor der uns „Spiegel“ und „FAZ“ gewarnt haben! „Multiculturism“ hier als bedrohlich oder verwerflich darzustellen, wurde inzwischen zum Ritual, ohne daß dieses Phänomen nur annähernd so breit anzutreffen wäre. „Mistaken Identities“, eine Gruppenausstellung mit politisierter Kunst aus Nordamerika und Großbritannien, bereitet Abhilfe zu einem – paradoxen – Zeitpunkt, wo im Zuge der „SG Riots“ Türken in Deutschland erstmalig zu einer politisch-offensiven Identität finden. Paradox deshalb, weil „Mistaken Identities“ sich einfachen Identifikationsmustern („wir Türken“) verwehren würde, da hierbei das Trennende zwischen türkischen Kurden und faschistischen Mitgliedern der „Grauen Wölfe“, zwischen einem Kosmopoliten aus Istanbul und einem streng moslemischen Landarbeiter ignoriert wird. Doch Deutschland ist nicht Nordamerika; im Unterschied zur ausdifferenzierten und theoriegesättigten Politisierung von US-amerikanischen Farbigen oder Feministinnen befinden sich die jungen Türken im Anfangsstadium ihrer Bestrebungen nach Selbstbestimmung. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre dies ohne (vorübergehend) simplifizierende Identitätsstiftungen kaum möglich.

„Das pluralistische Bekenntnis zur ‚Vielfalt‘ hat also dazu gedient, der Frage von Rasse und Rassismus auszuweichen, Differenzen zu neutralisieren und die Unterschiede zwischen Immigration, Sklaverei und der Ausrottung der amerikanischen Urbevölkerung zu verwischen“, beschreibt die Kuratorin Abigail Solomon-Godeau das Manko der Postmoderne. Ihre zusammen mit Constance Lewallen zwei Autostunden nördlich von Los Angeles in Santa Barbara zusammengestellte Präsentation der Arbeiten von 16 angloamerikanischen Künstlern/Künstlerinnen demonstriert eine neue Politisierung der Kunst. Ausgangspunkt ist Barbara…

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