Monografie · von Claudia Posca · S. 236
Monografie , 1993

Gereon Lepper

Die Macht der Gravitation

Von Claudia Posca

Kunst und Technik stehen im Verdacht, kein gemeinsames Auskommen zu haben. Wesentlich unterschiedlich in Charakter und Intention, scheint ihre Koexistenz schwierig oder aber wird entweder zu Gunsten des einen oder des anderen hierarchisch entschieden. Dagegen ist ein tatsächliches Verhältnis beider zueinander vorstellbar, wenn schöpferischer Genius und technisches Erfinderdenken zusammenfinden, um aus dem Geiste der Vision tätig zu werden. Eine Kunst entsteht, die weder ausschließlich Maschinenkunst noch einzig und allein Idee im technischen Gewand ist. Vielmehr geht es um eine Position, die das Vermögen der Kunst ernst nimmt, scheinbar Unvereinbares zusammenbringen zu können.

Das Werk des in Düsseldorf lebenden Bildhauers Gereon Lepper hat in solchem Denken eine überzeugend innovative Spannung. Diese steckt in einer Bildlichkeit, die technoid erscheint, Poesie aber nicht ausschließt. Dabei greift sie auf Formen und Materialien der Luft- und Seefahrt sowie natürlicher und künstlicher Energie zurück. Propeller, Elektromotoren, Stahl, Gummimembrane, Kompressoren und Schläuche sind in transformierter Bedeutung und gestalthafter Präzision bevorzugte Medien der bildnerischen Realisation. Neben energetischer Kraft und bedrohlich wirkender Aktion bestimmen sie das Erscheinungsbild seiner Werke zwischen technischer Erfindung und schöpferischer Entdeckung. Beides macht die unbefangene Sicht auf Technik aus, in der Maschine, Naturgesetz, Lebenswirklichkeit und Traum ein symbiotisches Verhältnis eingehen. Es untersteht im Letzten der Optik des Künstlers und gehört weder traditioneller Plastik noch einer Bildhauerei im ursprünglichen Sinne zu. Vielmehr sind die Arbeiten von Gereon Lepper eigenwillige Interpretationen einer solchen Tradition: Im Medium plastischer Konstruktion entwickeln sie aus dem Fundus elementarer Technik und prinzipieller Naturgesetzmäßigkeit eine Phantastik, die wisssenschaftliche…

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