Gespräche mit Künstlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 248
Gespräche mit Künstlern , 1993

Bernhard Lüthi:

»… in der Fremde unsere Problematik in Europa wiederentdeckt«

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

Der in Düsseldorf lebende Schweizer Bernhard Lüthi, selbst Bildender Künstler und 1938 in Bern geboren, ist ein Experte der Aboriginal art, der seit Jahren für den interkontinentalen Kulturaustausch kämpft. Nicht zuletzt deshalb, weil er den Diskurs in der Enge zwischen USA und Europa zu beenden hofft, engagierte er sich für die Ausstellung „Aratjara“ in der Kunstsammlung NRW. In dem Titel klingt mit den „Botschaftern“ gleichsam eine Lehre an, denn Lüthi verbindet sein Interesse mit einer Philippika über die hundertjährige Moderne. Zunächst machte sich der Widerstandskämpfer als Landschaftsmaler der eigenen Art einen Namen. Für ihn waren zunächst Maler wie Blake, Constable, Turner und Füssli relevant. Von dort aus entdeckte er in den siebziger Jahren die Positionen des Colour-field-painting. Seine Auffassung von Landschaft als „emotionalem Raum“ verstand sich als Absage an Concept- und Minimal-art.

*

H.-N.J.: Was interessiert Sie an der Aborigines art, und was brachte Sie nach Australien?

B.L.: Eine andere Ikonographie tut sich da auf. Nicht abzustreiten ist, daß mein Wegsein auch mit einer Art Flucht zusammenhing. Unterwegs bemerkte ich, daß ich in der Fremde unsere Problematik in Europa wiederentdeckte und mich das Andere dorthin zurückbrachte, woher ich kam. Im Moment bin ich mehr darauf fixiert, was hier passiert, wo mir, seit Erledigung des Transfers, die Mängel stärker auffallen.

Welche meinen Sie?

Dieser Zwang, sich von Kulturen anderer Kontinente abzugrenzen und die zeitgenössische Kunstproduktion der restlichen Welt auszuklammern. Dieses unheimliche Brett vor dem Kopf und dieses Nur-wahrhaben-Wollen dessen, was immer schon in…

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