Titel: Moderne, reloaded · von Simone Wille · S. 94
Titel: Moderne, reloaded , 2018

Die künstlerische Moderne und vernachlässigte Initiativen

von Simone Wille

Während Kunstmarkt und Ausstellungsbetrieb immer selbstverständlicher einen global ausgerichteten Diskurs der „Inklusion“ pflegen, tut sich die Kunstgeschichtsschreibung damit noch schwer. Künstler aus Asien, Afrika und Lateinamerika mussten und müssen sich teilweise noch immer dafür rechtfertigen, wenn sie sich mit intellektuellen Produkten der dominanten europäischen Kultur auseinandersetzten. Als verspätet und deriviert wurde der Modernismus in geografischer Lage außerhalb westlicher Zentren bezeichnet. Im Diskurs um die Moderne geht es um Macht und Autorität und beinahe könnte man implizieren, dass die Moderne ihren eigenen Mechanismus der Aus- und Einschließung geschaffen hat.

Vielfältige Wege der Moderne

Zwar beschäftigen sich seit etwas mehr als zwei Jahrzehnten Kunsthistoriker und Theoretiker mit Themen der sogenannten außereuropäischen Moderne, aber trotzdem fällt es offenbar vielen noch immer schwer, den festgefahrenen Pfad der Westfixierung zu verlassen. In einigen Publikationen, Studien und Auseinandersetzungen wird jedoch klar gezeigt, dass sich die künstlerische Moderne lokal, regional, aber eben auch und vor allem im Austausch auf internationaler Ebene entwickelte – und damit wird der Annahme widersprochen, nicht-westliche moderne Kunst habe keine eigenständige moderne Formensprache entwickelt und es mangele ihr darüber hinaus an kultureller Authentizität. Beim Herausarbeiten einer nuancierten Kunstgeschichte, die auf den Reichtum transnationaler Bewegungen und einer globalen Erfahrung eingeht, haben sich bereits zahlreiche Projekte und Persönlichkeiten beteiligt. Der Anteil postkolonialer Theorien an der Destabilisierung des gängigen Kanons ist genauso wichtig ist wie Studien zur visuellen Kultur, Cultural Studies, feministische Theorien, African-American Studies sowie Queer Theorien. Die Ausstellung „Postwar: Art Between The Pacific And The Atlantic. 1945 –1965“ im…

Kostenfrei anmelden und weiterlesen:

  • 3 Artikel aus dem Archiv und regelmäßig viele weitere Artikel kostenfrei lesen
  • Den KUNSTFORUM-Newsletter erhalten: Artikelempfehlungen, wöchentlichen Kunstnachrichten, besonderen Angeboten uvm, jederzeit abbestellbar
  • Exklusive Merklisten-Funktion nutzen
  • dauerhaft kostenfrei

L_Test-Zugang