Ausstellungen: Basel , 1989

Stephan Berg

Die Nähe der Ferne

Mit dem Fernrohr durch die Kunstgeschichte

Kunsthalle, bis 29.10.89

Am Anfang steht eine Frage: „Was ist das Auge, was hat es uns über die Weltgestalt zu sagen und wie?“ Das ist ein uraltes Problem, das innerhalb der Kunstgeschichte dennoch nie an Aktualität verloren hat. Es handelt vom Sehen und davon, ob das, was wir sehen, nicht in Wirklichkeit ganz anders aussieht. Ein erkenntnistheoretisches Thema: Über die Erzeugung der Wirklichkeit durch den eigenen Blick. So allgemein wollte Thomas Kellein, der Chef der Basler Kunsthalle, den von ihm formulierten Problemhorizont allerdings nicht angehen. Seine ehrgeizige Doppelausstellung zum 150. Geburtstag des Basler Kunstvereins in der Basler Kunsthalle versucht gleichsam eine perspektivische Bündelung dieser unendlichen Geschichte unserer Wahrnehmung. „Mit dem Fernrohr durch die Kunstgeschichte. Von Galilei zu den Gebrüdern Montgolfier“ lautet sein Angebot, mit dem er, ergänzt durch eine Installation von Kristin Jones und Andrew Ginzel, dazu beitragen will, unseren heutigen durch Reizüberflutung „zerstreuten Blick“ wieder etwas zu konzentrieren.

Im Zentrum seines Interesses steht dabei die Frage, wie unsere Wahrnehmungsweise von Welt durch die technische Vermittlung des Fernrohrs „zugerichtet“ wird, um eine „Phänomenologie des Fernrohrblicks“ also, der laut Kellein in einer spezifischen Dialektik aus „der plötzlichen Nähe der Ferne und einer gleichzeitig einsetzenden Ferne von Nähe im Bild“ besteht. Diese Idee verdient schon deshalb Anerkennung, weil sie die ausgetretenen Pfade der üblichen „One-Man-Shows“ verlässt und in ihrem systematischen Zuschnitt versucht der heutigen Situation einer gesamtkulturellen Vernetzung Rechnung zu tragen.

So spannend das Vorhaben freilich klingt, so unbefriedigend ist es über weite Strecken realisiert. Das…

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