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Ausstellungen: Wien · S. 347 - 351
Ausstellungen: Wien , 1989

Peter Mahr
Wittgenstein

Secession, bis 29.10.1989

Die „Spiele“ bilden eine Familie schreibt Ludwig Wittgenstein in der 67. Philosophischen Untersuchung. Ausstellungen und Kataloge sind gelungene Beispiele für diesen Satz.

Wer kein Experte ist, konnte sich bis vor kurzem kaum des Eindrucks erwehren, Ludwig Wittgenstein (1889-1951) sei der trocken-logische, asketisch-verschrobene Denker, der in diesem Jahrhundert einer auf Wissenschaftlichkeit erpichten analytischen Philosophie zum Durchbruch verholfen hat. Dieses Bild vom Wittgenstein der Logisch-Philosophischen Abhandlung von 1921 – neben dem Wörterbuch für Volksschulen (1925) das einzige zu seinen Lebzeiten veröffentlichte Buch – hielt sich besonders im deutschsprachigen Raum bis in die 70er Jahre. Seine späten Philosophischen Untersuchungen, posthum publiziert, wurden als befreiende Philosophie auch für Zeiten nach der Moderne (Lyotard) erst spät erkennt und anerkannt.

Zum 100. Geburtstag hat die Wiener Secession eine Ausstellung besorgt, deren drei Teile unter spezifischen lokalen Umständen den Blick erweitern: das sichtbare Lebenswerk, das Palais Stonborough und die Konzept-Kunst, deren Comeback in den letzten Jahren einen Einbezug in das Jubiläum als wünschenswert erscheinen ließ.

Biograph Michael Nedo, der seine Sammlung biographischen Materials vor einem Jahr für ein Archiv in der Secession stiftete – das einzige in Wien! -, hat einfühlsam Dokumente zum Lebenskreis Wittgensteins versammelt. Dazu wird mit Exponaten an Ludwigs Vater erinnert, der nicht nur der Secession das Grundstück schenkte, sondern auch die mit ihr verbundenen Künstler, etwa die Wiener Werkstätte, mit Aufträgen bedachte. Ein Video stellt das Patent für einen Rotor mit Brennkammern an den Blattspitzen vor, das der Student Wittgenstein mit 22 Jahren anmeldete. Eine Büste zeigt den Bildhauer, ein Meßgerätemodell den…


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