Kommentar , 1994

Stefan Berg

Eine Rose ist eine Rose ist keine Rose

ANMERKUNGEN ZUR DEBATTE ÜBER DIE SITUATION DER ZEITGENÖSSISCHEN KUNST

Nach den fetten 80er Jahren, in denen es dem Kunstmarkt und damit (scheinbar) auch der Kunst so gut wie schon lange nicht mehr ging, erleben wir jetzt den großen Katzenjammer. Wirtschaftliche Rezession und ästhetische Orientierungslosigkeit sorgen für tiefe Irritation auf Händlerbörsen ebenso wie in Künstlerateliers. Da niemand weiß, wie es weitergehen soll, wird flugs allerorten eine Krise der Kunst beschworen, die sich – bei rechtem Licht besehen – in den fiebrig-überhitzten frühen 80er Jahren weit deutlicher manifestierte als heute. Immerhin, es wird wieder diskutiert. Und zwar nicht nur über Stars, Wertsteigerungen und Trends, sondern ganz grundsätzlich über Inhalte. Mit seiner in der FAZ veröffentlichten Abrechnung mit der heutigen Kunst und seiner Forderung nach einem „Ausstieg aus der Fortschrittskarawane“ hat Eduard Beaucamp eine rege Debatte ausgelöst, an der sich bis jetzt Jean-Christophe Ammann, Werner Schmalenbach und Ludger Gerdes beteiligt haben. Vorliegender Beitrag versucht auf dieser Basis eine Stellungnahme.

Auf dem grauen Boden des Ausstellungsraumes liegt ein bunter Kindergummiball. An der Wand neben ihm steht auf einem Blatt Papier mit Maschine geschrieben: „Der Boden lag ruhig unter ihm. Nichts bewegte sich“ (Ulrich Meister, 1992). Eine echte, allerdings tote Kuh ruht der Länge nach säuberlich in zwei Teile geschnitten in zwei durchsichtigen, mit Formaldehyd gefüllten Kästen, zwischen denen man hindurchgehen kann (Damien Hirst, 1993). In einem Museumsraum wird der Parkettboden entfernt und durch einen gleichen, aber neuen Boden ersetzt (Bethan Huws, 1991).

Schon diese wenigen Beispiele aus der breiten…

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