Titel: Betriebssystem Kunst · von Kim Levin · S. 143
Titel: Betriebssystem Kunst , 1994

Laurie Parsons

Von Kim Levin

Die heftige Ablehnung der modernen Form ist schon lange zu einer begrifflichen Formlosigkeit degeneriert, während die Auflösung von Ausstellungsmethoden zu einer immer konsequenteren Zerstörung von Struktur und Raum der Ausstellung geführt hat. In New York ist die unbestimmte soziale Kunstlosigkeit mittlerweile ein Antidot gegen Hochglanzpräsentationen: lieber unordentlich als gepflegt, lieber gebraucht als neu, lieber wiederverwertet als hergestellt. Auch mit dem individualistischen modernen Ego geht es zu Ende.

Mitte der achtziger Jahre malte Laurie Parsons – neben anderen Dingen – auf Holz. „Die Holzstruktur hat mich wirklich fasziniert, es war spannend, der Maserung zu folgen. Dann fing ich an, das Holz in irgendeiner Weise zu verwenden; wie, das war nicht unbedingst so viel interessanter als die Sache an sich.“ Die ersten Arbeiten, die sie ausstellte, bestanden schlicht aus drei Holzstücken, die sie erstanden hatte, um darauf zu malen: konfektioniertes Nichts. Danach beschäftigte sie sich mit ganz normalem urbanen Müll, den sie wiederverwertete: einem zerbeulten Pappkarton, einer Holzleiter, einer Bierflasche, einem alten Fensterladen. Sie erklärte Müll zu Kunst und machte floor pieces, die aus nichts weiter als Zeitungspapier oder Zigarettenkippen und zerbrochenen Flaschen bestanden, die auf dem Boden verstreut waren.

Ihre erste Einzelausstellung in New York in der mittlerweile geschlossenen Lorence-Monk Gallery bestand in einer willkürlichen Installation verstreuter Dinge. Sie als Objekte zu bezeichnen hieße, ihnen eine formale Intention zuzuschreiben, die nie beabsichtigt war. Es handelte sich schlicht um weggeworfene Dinge, die sie von der Straße aufgesammelt hatte – einen Ast, ein verknäueltes Seil, einen kaputten Regenschirm, eine Krücke – herrenlose…

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