Titel: Betriebssystem Kunst , 1994

Manfred Miersch

Von Thomas Wulffen

Die Wissenschaft arbeitet im analytischem Rekurs mit der Unterscheidung von Objekt- und Metaebene. Der Begriff „Objektebene“ bezieht sich dabei auf jene Gegenstände, im weitesten Sinne des Wortes, über die auf der Metaebene gesprochen wird. Ein konkretes Beispiel lässt sich in der Sprache finden: Die Grammatik einer spezifischen Sprache ist die Metaebene dieser Sprache, während der alltägliche Sprachgebrauch der Objektebene angehört. Aber schon in diesem Bereich zeigen sich diskrete Schwierigkeiten der Unterscheidung. Wenn alltägliche Sprachmuster in die Metaebene einfliessen, ist die Differenz zwischen Objekt- und Metaebene nicht mehr stringent zu halten. Dennoch hat diese Beschreibungsart ihren Sinn und ihre Funktion, auch wenn sie scheinbar voraussetzt, daß die genannten Ebenen strikt getrennt sind.

Eine solche Trennung aber wird auch indiziert durch das Schreiben über Kunst. Der Objektbereich ist die Menge der Gegenstände, die als Kunst begriffen wird, während die Metaebene jener Diskurs ist, der als Kunsttheorie begriffen wird. Die Unterscheidung zwischen beiden Bereichen ist hier deutlich und wird nur in seltenen Fällen durchbrochen. Es ist immer noch klar zu unterscheiden zwischen dem Künstler als Produzenten und dem Kritiker als Reproduzenten.

Auf der Ebene des „Betriebssystems Kunst“ sind solche Differenzen nicht mehr klar festzustellen. Unter dem Begriff „Betriebssystem Kunst“ sollen jene Darstellungs- und Ausdrucksformen verstanden werden, die Bedingung der Möglichkeit von Darstellung beziehungsweise Ausdruck sind. Der Begriff „System“ verweist dabei auf jenen Gesamtkomplex von Kunst und Gesellschaft, in der sich die zeitgenössische Kunst als Kunstindustrie situiert. Das Betriebssystem Kunst ist in diesem Sinne ein Spiegelbild spätindustrieller Kunst. Was der Ebene der einfachen…

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