Kommentar · von Florian Rötzer · S. 60
Kommentar , 1993

Florian Rötzer

Einige banale Bemerkungen zur Gegenwart

1933, vor 60 Jahren, wurden die Grundsteine für das „Haus der Deutschen Kunst“ gelegt. Damit und mit dem Beginn der Naziherrschaft kam eine Entwicklung zum Durchbruch, die allerdings schon viel früher einsetzte. Der Nationalismus schlug um in eine rassistische Gewaltherrschaft, die gegen alles Fremde wütete – gegen Menschen und politische Positionen ebenso wie gegen wissenschaftliche Lehren und künstlerische Richtungen. Anläßlich der Großen Kunstausstellung ’93 in jenem Haus, aus dessen Namen man das Adjektiv entfernt hat, um sich von der Vergangenheit zu trennen, haben die beteiligten Künstlergruppen nicht nur Künstler aus anderen Ländern eingeladen – was ja auch gute Tradition der Künstlergruppen immer war -, sie wollen ihre jährliche Ausstellung diesmal auch als Mahnung angesichts der wiedererwachten Fremdenfeindlichkeit und eines blinden Nationalismus verstehen. Dazu aufgefordert, einen Beitrag für den Katalog zu schreiben, will ich mit ein paar Gedanken, die vielleicht nicht immer nur schmeicheln, zu den bereits geführten und hoffentlich noch weiter anhaltenden Diskussionen über die Verantwortung der Künstler beitragen.

Immer noch wird uns gelegentlich vorgesäuselt – und die Künstler sowie die Macher des Kunstbetriebes hören dies meist nur allzu gerne -, daß die Kunst irgendwie eine Sonderwahrheit liefere und die Künstler irgendwie Propheten, jedenfalls besonders sensible Zeitgenossen seien, auf die man besser höre als auf andere Berufsstände. Die Kunst ist, ganz banal, ein Markt mit bestimmten Sondergesetzen und Mythologien, und auch wenn hier Individuen autonom an ihrer eigenen Sprache arbeiten, so geschieht dies nicht gänzlich jenseits des Geschäfts. Ausstellungen wie die der Münchener Künstlervereinigungen versuchen das…

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