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Magazin · S. 422 - 423
Magazin , 1989

Karlheinz Schmid
Einleuchten – mit Verspätung

HARALD SZEEMANN IN DEN HAMBURGER DEICHTORHALLEN

In Köln wird er nun vom Bundesverband Deutscher Galerien für „beispielgebende kreative Leistung als internationaler Ausstellungsorganisator“ ausgezeichnet. Der „Art Cologne“-Preis 1989, dotiert mit 20 000 Mark, ist freilich nur ein schwacher Trost, eine kleine Anerkennung für eine große Leistung. Selten hat sich Harald Szeemann, unvergessen als künstlerischer Leiter der „documenta 5“, so plagen müssen wie in den vergangenen Wochen.

Szeemann war beauftragt, die Eröffnungsschau in den für mittlerweile 25 Millionen Mark umgebauten Hamburger Deichtorhallen zu konzipieren und zu verwirklichen. Eine Artisten-Nummer ohne Netz. Denn nahezu sämtliche Erwartungen des Schweizers mochten sich nicht erfüllen. Zwei Beispiele: In den Hallen (knapp 6000 Quadratmeter Ausstellungsfläche), wo der Bildhauer Richard Serra angesichts eines hochglänzenden Bodens „Holiday on Ice“ statt Bildender Kunst plaziert sehen wollte, konnte Szeemann weder das große Regal von Anselm Kiefer aufbauen, noch war es möglich, dort Serra arbeiten zu lassen. Bodenbelastbarkeit: 500 Kilogramm pro Quadratmeter. Das mag für eine normale Bilderschau, für jede Kunstmesse reichen, nicht aber für eine Skulpturen-Schau. Die hatte Harald Szeemann geplant, die mußte, quasi im letzten Moment, verwandelt werden. Mehr Malerei und Stellwände in die Hallen, lautete zwangsläufig die Devise.

Auch im Außenbereich bekam Szeemann eine Vorgabe, die ihm schlaflose Nächte bereitete. Wie sollte er seine Künstler-Freunde überzeugen, bei einem Projekt mitzumachen, das unter dem Wahrzeichen der Mittelmäßigkeit steht? Mäzen Kurt A. Körber, ein Großindustrieller aus Hamburg-Bergedorf, wollte sich eine fixe Idee nicht ausreden lassen. Er ließ aus Schiffsbaustahl eine knapp zwölf Meter hohe Arbeit errichten, die im oberen…


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