Ausstellungen: Esslingen/Apeldoorn · von Michael Hübl · S. 445
Ausstellungen: Esslingen/Apeldoorn , 1993

Michael Hübl

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Nul. Die Wirklichkeit als Kunst fundieren.

Die niederländische Gruppe Nul 1960 – 1965. Und heute

Galerie der Stadt Esslingen, Villa Merkel, 31.1. – 21.3.1993

Van Reekum Museum, Apeldoorn, 4.7. – 19.9.1993

Was hat die Gruppe Nul mit Jeff Koons zu tun? Augenscheinlich null. Neben dem smarten Ex-Broker, der sich nachdrücklich lächelnd mit der Aura des „positiven Denkens“ umgibt, wirkt die eher skeptische Haltung der Herren Armando, Henderikse, Peeters und Schoonhoven irgendwie altmodisch. Angesichts des feinen Schimmers reich verzierten Porzellans, des kostbaren Funkelns delikat modellierten Kristalls und des verschwenderischen Glanzes güldener Pracht sehen die Arbeiten der vier Künstler, die mit ihrem Zusammenschluß vor über dreißig Jahren ein Bekenntnis zur internationalen Zero-Bewegung abgaben, verdammt schäbig und power aus. Besonders, wenn sie in Häusern gezeigt werden von der Art der Esslinger Villa Merkel, wo sich trotz einiger trister Relikte vergangener Modernisierungsmaßnahmen ein Rest großbürgerlicher Gründerzeit erhalten hat.

Quergelegte Bierkästen voll leerer Flaschen, wie sie Jan Henderikse 1962 im Amsterdamer Stedelijk Museum zu einer Wand aufstapelte; einfache Wellpappe, von Jan Schoonhoven in unterschiedlichen Varianten dicht geschichtet; zerfaserte Nylonschnur, die Henk Peeters auf Plastikfolie verteilt hat; Bolzen und Stacheldraht als Elemente der rüden Monochromien Armandos – das ist nicht Kunst zur Steigerung gepflegten Lebensstils. Man „verhielt sich bewußt antibürgerlich, wenn man moderne Kunst zeigte“1, erinnert sich der Journalist, Schrifsteller und Künstler Armando an die Zeiten, als er und die drei anderen im Bunde „Nul“ noch in Avantgarde-Galerien ausstellten. Die Materialien sind billig, meist einigermaßen bedeutungslos, Alltagszeugs oder Abfall wie bei Jan Henderikse, der in Schund, Plunder und Gelump…

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