Gespräche mit Künstlern , 1993

China: Die Generation der »schwimmenden« Künstler

Angelika Stepken sprach mit Zhu Jinshi

Parallel zur China-Avantgarde-Ausstellung führte der in Berlin lebende chinesische Künstler Zhu Jinshi gemeinsam mit Freunden seine (privat betriebenen) Projekte und Gespräche zum wechselseitigen Gedankenaustausch zwischen Ost und West fort. Kritisch kommentiert er den westlichen Zugriff auf die chinesische Kunst sowie das Selbstverständnis einer jungen chinesischen Künstlergeneration gegenüber ihrer Tradition.

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Angelika Stepken: Du lebst seit 1986 als chinesischer Künstler in Deutschland. Kannst du sagen, was diese Jahre des Exils für deine künstlerische Haltung bewirkt haben?

Zhu Jinshi: 1986 glaubte ich, daß es nur in China Kultur gibt. Und jetzt finde ich die Kultur überall, auf der ganzen Welt. Ein anderer Aspekt ist die Erweiterung der Kunstsprachen. Von meinem Werk aus gesehen ist der Einfluß des Westens groß geworden, während ich gleichzeitig die Beziehung zu meiner eigenen Kultur halte.

Das ist vielleicht ein Phänomen, wie es auch bei den russischen Künstlern seit der Perestrojka zu beobachten ist. Materiell präsent, sind sie erfolgreich in der westlichen Kunstwelt, ideell beziehen sie sich weiterhin auf den heimatlichen Kontext.

Die chinesische Avantgarde-Kunst hat den Status einer Exilkultur des sozialistischen Blocks. Heute befindet sie sich im Übergang von einer Exilkultur zu einer Form des Fließens. In den 80er Jahren hat man auch die osteuropäische Kunst als Exilkultur betrachtet. Mit Exil meine ich nicht nur, daß diese Künstler im Ausland leben, geistig befinden sie sich auch im eigenen Land im Exil. In den 90er Jahren wandelt sich nun aber das Verhältnis der chinesischen Künstler zur Geschichte, zur Tradition. Den Zustand heute würde…

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von Angelika Stepken

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