Titel: Afrika - Iwalewa · von André Magnin · S. 257
Titel: Afrika - Iwalewa , 1993

Efiaimbelo

Der Ursprung der Kunst und der Bestattungsriten der Mahafaly geht auf den Anfang des 16. Jahrhunderts zurück, als die Maroserana-Sippen die Herrschaft über das Land der Mahafaly übernahmen. Diese traditionelle Kunst, die als die anspruchsvollste der ganzen Insel gilt, ist immer wieder vom Vater an den Sohn weitergegeben worden (zumindest in Efiaimbelos Familie), und zwar seit dem Urahn Soroboka bis zu dessen Nachfahre Efiaimbelo, der diese lebendige Kunst mit viel Phantasie kultiviert und weiterentwickelt hat.

Es handelt sich um an die zwei Meter hohe, mit Schnitzereien versehene Pfähle, sogenannte Aloalos, aus rohem Hartholz (Mendorave). Der untere Teil läßt sich beschreiben als eine Folge von acht (der Zahl der Vollendung) wechselweise abstrakten und geometrischen Motiven, die stufenförmig angeordnet sind. Mythen und Legenden verleihen ihnen je nach Interpretation unterschiedliche Bedeutung. Das achte Motiv ist ein Vollmond. Er wird überragt von einer als Hochrelief geschnitzten großen figurativen Szenerie, die z. B. das Zebu und den Hirten zum Thema hat (das Zebu steht wie das Kind für Reichtum).

Efiaimbelo hat die einzelnen Szenen abwechslungsreich gestaltet: Zebus, die gestohlen werden, Buschtaxis, Ringkämpfer, Flugzeuge, Motorräder u.a.m. Es sind Darstellungen aus dem Leben des Verstorbenen, für den die Aloalos errichtet werden, und zugleich Aussagen über eine ganze Epoche. Die Aloalos ehren den Toten, indem sie das Leben besingen. Efiaimbelo hat als einer der ersten seine Aloalos aus rein dekorativen Gründen mit verschiedenen Acrylfarben bemalt. Die Aloalos werden im Quadrat um den Steinquader aufgestellt, der das Grabmal abdeckt.

André Magnin

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