Essay · S. 200
Essay , 1989

Ersatzobjekte und bedeutende Rahmen

Allan McCollum
Louise Lawler
Barbara Bloom
von Johannes Meinhardt

Allan McCollums Arbeiten sind von einem tiefgreifenden Verdacht gegenüber der Kunst geprägt: dem Verdacht, daß es auch in der Kunst – wie in anderen Bereichen produzierter Gegenstände – nicht um Erfahrung, Reflexion, Gehalt oder Gebrauchswert geht, sondern immer nur um abstrakten und quantifizierbaren Mehrwert; dem Verdacht, daß Wert und Bedeutung eines Kunstwerks nicht in ihm selbst liegen, sondern äußerliche Zuschreibungen sind, die von einem Markt abhängen, in dem Kunstwerke als Ware und wie jede andere Ware taxiert und der Austauschbarkeit, der Äquivalenz unterworfen werden.1 Der ‚Gehalt‘ von Kunstwerken ist dann nur eine Nebenwirkung der Zurichtung von Kunstwerken zu Waren; schon die Unterscheidung von Kunstwerken und anderen Objekten ist äußerlich und konventionell. „It seemed to me that every conceivable description of a painting that one might offer to define its ‚essence‘ or its ‚terms‘ could always be found to also define some other, similar object which was not a painting – except for one: a painting always has the identity of a painting; a painting is what it is because it is a convention. … An artwork is related to every other object and event in the cultural system, and the meaning of an artwork resides in the role the artwork plays in the culture, before anything else“.2 Kunstwerke werden dann erstens durch eine Art von Definition definiert, die nichts mit ihrem Inneren, selbst ihrer Produktion zu tun hat, sondern an bestimmte formale Bedingungen geknüpft ist: sie müssen identifizierbar sein,…

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