Titel: Design III: Deutsche Möbel · S. 104
Titel: Design III: Deutsche Möbel , 1989

Ginbande

„Wieviel Ideen schweben nicht zerstreut in meinem Kopf, wovon manches Paar, wenn sie zusammenkämen, die größte Entdeckung bewirken könnte! Aber sie liegen so getrennt wie der goslarische Schwefel vom ostindischen Salpeter und dem Staub in den Kohlemeilern auf dem Eichsfeld, welche zusammen Schießpulver machen würden. Wie lange haben nicht die Ingredienzen des Schießpulvers existiert vor dem Schießpulver! Ein natürliches Aqua regis gibt es nicht. Wenn wir beim Nachdenken uns über den natürlichen Fügungen der Verstandesformen und der Vernunft überlassen, so kleben die Begriffe oft zu sehr an anderen, daß sie sich nicht mit denen vereinigen können, denen sie eigentlich zugehören. Wenn es doch da etwas gäbe wie in der Chemie Auflösung, wo die einzelnen Teile leicht suspendiert schwimmen und daher jedem Zug folgen können. Da aber dieses nicht angeht, so muß man die Dinge vorsätzlich zusammenbringen. Man muß mit Ideen experimentieren.“ Georg Christoph Lichtenberg, 1795

Zwischen der Idee eines Möbels und der Realisierung dieser Idee in der Produktion befindet sich der Punkt, an dem die Idee anfängt, sich zum Gegenstand zu verfestigen. Dieser Punkt ist als Kernpunkt gestalterischen Arbeitens Hauptthema unserer sich in den hier abgebildeten experimentellen Arbeiten materialisierenden Auseinandersetzung.
In diesem Bereich experimenteller Tätigkeit lassen sich Arbeitsweisen entwickeln, die in der Lage sind, ungebremst von Überlegungen nach handwerklicher, industrieller oder sogar genereller Realisierbarkeit Lösungen anzubieten, die anwendungsbezogenem Suchen und Arbeiten versagt bleiben, sich erst experimentellem Vorgehen öffnen.
Experimentell meint hier jedoch nicht das nur formale Herumprobieren als inhaltsloses Spiel mit Formen, Farben, Oberflächen etc., sondern eben das Experimentieren mit Ideen,…

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