Ausstellungen: Düsseldorf/Baden-Baden · von Sigrid Feeser · S. 378
Ausstellungen: Düsseldorf/Baden-Baden , 1995

Sigrid Feeser

Franz Gertsch

»Holzschnitte und Malerei auf Papier«

Kunsthalle Baden-Baden, 10.12.1994 – 5.2.1995,

Galerie Karin Fesel, Düsseldorf, 10.2. – 30.3.1995

Das Riesenformat „Medici“ machte den Schweizer Franz Gertsch auf der documenta 1972 in Kassel mit einem Schlage berühmt.

Eine Gruppe von fünf jungen Männern lehnte sich da ganz entspannt über die Latte eines Bauzaunes. Mit der Florentiner Herrscherfamilie hatte das Bild nichts zu tun. Der Bauzaun gehörte einer Firma Medici, stand vor dem Kunstmuseum Luzern, und die langhaarigen Leutchen waren Freunde des Malers, der sich unversehens als europäische Variante in die Elite der US-amerikanischen Fotorealisten hineinkatapultiert sah. Gertsch hielt dem Vergleich stand und malte weiterhin schöne Bilder nach Diaprojektionen: junge Menschen aus dem Künstlermilieu, im Badezimmer, nach dem Essen, beim Schminken, am Strand. Heitere Schnappschußszenen, mit einem Hauch antibürgerlicher Dekadenz.

Heute arbeitet Franz Gertsch immer noch mit dem Projektor, aber den Pinsel hat er mit dem Hohleisen vertauscht. Seit 1986 macht er Holzschnitte, die mit mehreren Metern Kantenlänge alles in dieser Technik Übliche hinter sich lassen. Mit einem winzigen Werkzeug holt er millimeterdünne Aushübe aus Tannen- und Fichtenholzplatten, die beim anschließenden Druck auf Japanpapier als helle „Lichtpunkte“ erscheinen, während die weniger dicht bearbeiteten Teile des Druckstocks als Schattenstellen stehenbleiben und alles zusammen sich zu einem System von zartesten Übergängen von Licht zu Schatten und von Schatten zu Licht zusammenfügt. Ein Geduldsspiel, das Monate dauern kann und bei einem monumentalen Bild wie dem Sechsmeter-Triptychon „Schwarzwasser“ auch einmal eineinhalb Jahre in Anspruch nimmt.

Für den Holzschneider eine Zeit der Konzentration und Meditation. Im Rhythmus des Schneidens nähere er sich…

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