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Ausstellungen: Grenoble · S. 354 - 355
Ausstellungen: Grenoble , 1990

Doris von Drathen
Gino De Dominicis

MAGASIN Centre National d’Art Contemporain,

28.2. – 29.4.1990

Am Anfang war das Bild“ – behauptet Gino De Dominicis und gibt das Wort ab an die Sinne. Wenn Gedanken Bilder denken, dann können Bilder auch Gedanken sehen, das ist sein Credo.

Wenn er allerdings das Bild tatsächlich an den Anfang stellt, wird es schwer, den Gedanken zu finden. In einer furiosen Bilderfreudigkeit macht Gino De Dominicis seine eigene Person zum Bild, zur unsterblichen körperlichen Ikone: 1969 verschickte er anläßlich seiner Ausstellung in der römischen Gallerie l’Attico eine Sterbeanzeige als Plakat, darauf war zu lesen: „Gino De Dominicis ist 1947 geboren, existiert aber nicht mehr länger in realer Form, da er nur ein Werkzeug der Natur ist, die einige angemessene Möglichkeiten in ihm verwirklicht.“

Seitdem wandelt er als Unsterblicher über den Kunstmarkt. Wiederholte Rückzüge, das absolute Verbot, ihn selbst oder seine Ausstellungen zu photographieren (alle Photos, die je abgebildet werden, sind heimlich weitergegebenes Material), seine Verweigerung, Interviews zu geben, haben ihn zu einem Mythos werden lassen. In Italien ist er der heimliche Star, auch wenn alle davor zurückschrecken, seine Arbeit tatsächlich als den großen Beitrag zur Avantgarde auszurufen.

Davon sind seine Bilder, Skulpturen und Installationen denn auch weit entfernt. Gino De Dominicis bezeichnet sich selbst als einen Nomaden, der durch die Reiche der Mythen wandert. Einer davon ist eben der Unsterblichkeitsmythos der Sumerer, die der Künstler deshalb bewundert, weil sie an ihren Gott in einer körperlich unsterblichen Form glaubten. Unsterblichkeit erst – so hat es sich Gino De Dominicis zurechtgelegt, bedeutet eigentliche…


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