Titel: Kunstverweigerungskunst I , 2015

Handlung, Teilnahme und Beteiligung

Partizipation zwischen Politik und Kunst

von Anna Spohn

Von Partizipation ist sowohl in politischen oder pädagogischen Diskursen als auch in Diskussionen um Neue Medien die Rede. Auf Beteiligung angelegte Strukturen werden als Organisationsformen diskutiert, in pädagogischen und didaktischen Konzepten umgesetzt, sie werden in TV-Formate integriert oder als Novum Neuer Medien, dem Internet und sozialer Plattformen, angepriesen. Dass der Terminus ubiquitär scheint, war gar Anlass, um von einer „partizipativen Wende“ zu sprechen oder uns den „Beginn eines partizipativen Zeitalters“1 anzukündigen. Der Begriff Partizipation ist auch Teil einer Rhetorik um künstlerische Praktiken und wird dabei in zweifacher Weise verwendet. Einerseits meint er ein Mitwirken der Rezipienten im Allgemeinen, und andererseits war etwa seit den 1960er Jahren von einer so genannten partizipativen Kunst die Rede, eine Diktion, die zu Beginn der 1990er zu einer Genrebezeichnung wurde.

Betrachter- oder Rezipientenbeteiligung ist, beispielsweise in Bezug auf die Avantgarden der vorigen Jahrhundertwende, auf das epische Theater Brechts, den Situationismus, das Happening und auch auf die Op-Art oder die Minimal Art, ein zentraler Topos des 20. Jahrhunderts. Angesichts der Entwicklungen der Künste seit der Moderne und vor dem Hintergrund phänomenologischer oder poststrukturalistischer Überlegungen wurden Kunstwerke und künstlerische Handlungen nicht als abgeschlossene Produktionen, sondern als ambivalente, mehrdeutige Möglichkeitsräume charakterisiert, die eine aktive Haltung des Publikums fordern. So war für Jean-Paul Sartre Lesen gelenktes Schaffen und bei Roland Barthes wird der Tod des Autors mit der Geburt des Lesers bezahlt. Umberto Eco, dessen Aufsatzsammlung Opera Aperta zentral für diese Diskussion war, ging von einer grundsätzlichen Offenheit aller Kunstwerke aus,…

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