Titel: Kunstverweigerungskunst I · von Herbert Kopp-Oberstebrink · S. 156
Titel: Kunstverweigerungskunst I , 2015

Die Kunst im Exil des Denkens

Anmerkungen zu Francesco Matarreses Grenzgängen zwischen Kunst und ästhetischer Theorie

von Herbert Kopp-Oberstebrink

Auf der Documenta des Jahres 2012 betrat ein Künstler die große Ausstellungsbühne, der bis dahin einem größeren Publikum kaum bekannt gewesen sein dürfte. Ein Künstler? Im Jahre 1978 hatte der 1950 geborene Matarrese seinen Ausstieg aus der Kunstproduktion, und damit letztlich aus der Institution Kunst, bekanntgegeben, indem er als Antwort auf die Einladung zu einer Ausstellung ein Telegramm mit folgendem Inhalt schickte: „Bestätige Ablehnung der abstrakten Arbeit in der Kunst, Unmöglichkeit teilzunehmen und meine künstlerische Produktion zur Verfügung zu stellen. Führe zurückgezogenes Leben in Bari für konsequente Forschungen über Post-Kunst oder über das, was nach der Kunst kommt.“ Die erste Erklärung des Endes der Kunst durch den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel lag da bereits ungefähr 150 Jahre zurück. Trotz aller Debatten darüber, wie dessen These vom Ende der Kunst – und auch alle nachfolgenden Reprisen dieser These – zu verstehen sei, darf mit Hegel zweierlei als sicher gelten: Nach dem Ende der Kunst kommt die Theorie und – die Kunst geht auch nach ihrem Ende weiter. Für ihn war die Kunst in seiner Zeit nicht mehr länger die Darstellung der absoluten Wahrheit, denn „[d]er Gedanke und die Reflexion hat die schöne Kunst überflügelt.“ Diese Aufgabe hatte die Philosophie übernommen. Die Kunst dagegen unterlag, nachdem sie „für uns auch die echte Wahrheit und Lebendigkeit verloren“ hatte, einem Wandel ihrer Funktion, gab ihre Deutungs- und Erkenntnishoheit auf und lud nurmehr noch „zur denkenden Betrachtung“ über…

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