Ausstellungen: Hamburg · von Jochen Becker · S. 413
Ausstellungen: Hamburg , 1993

Jochen Becker

Jon Kessler

Kunstverein in Hamburg/Interim, 6.2. – 14.3.1993

Wir sind bald soweit, daß Künstler, denen die Einspannung ihrer Arbeit für wirtschaftliche Interessen nicht paßt, sich immer seltener guten Gewissens an Ausstellungen in öffentlichen Institutionen beteiligen können.“ Der anläßlich der Hamburger „Mediale“ aus New York angereiste Hans Haacke verschaffte sich auf der Pressekonferenz gehörig Luft über die „Mischfinanzierung“ der Medienmesse durch VIP-BMW-Fahrerservice, Philip-Morris-Cyberspace und Hamburger Kulturbehörden. Selbst die von Festival zu Festival reisenden Gäste scheinen nunmehr zum Markenartikel verfestigt: Von Plessi über Sony bis Viola, von Bruch über Apple bis Herzogenrath war das Media-Establishment in Hamburgs Deichtorhallen beinahe vollzählig versammelt.

„Ich warte geduldig auf den Tag, wo ich auf den Müll geworfene ‚Virtual reality‘-Handschuhe und -Brillen finden und verwenden kann“, so John Kessler in einem Interview über High-Tech-Medienkunst. Der New Yorker Künstler bevorzugt für die Erstellung seiner kinetischen Objekte handelsübliche oder gebrauchte Waren. Statt Laserdisc und Großrechner setzt Kessler japanische Kirschblüten-Jingles, Bewegungsmelder von Alarmanlagen oder ketchupspendenden Computerschrott ein. Seine Low-Tech-Spektakel sind in ihrer Mischung aus nostalgischer Mechanik und faszinierenden Elektronik-Gadgets nicht nur kostengünstig, sondern zudem in der Funktionsweise den Besuchern nachvollziehbar und vertraut. Er selbst bezeichnet das offensichtlich jeweils handgefertigte Objekt recht treffend als „Prototyp einer Erfindung“: Die häufig grobschlächtige, jedoch funktionstüchtige Konstruktion ist noch nicht vom Produktdesign umschlossen.

Mit Kesslers effektreichen, bewegten, leuchtenden und klingenden Arbeiten wurde das Übergangsquartier des Hamburger Kunstvereins eingeweiht. Abseits des Festivalrummels fand man auf den Fleetinseln Zuflucht in einem ehemaligen Fahrradgeschäft. Zumindest solange, bis im Herbst die neuen Ausstellungsflächen in der Markthalle bezugsfähig sein werden, bleibt der Kunstverein…

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