Nachrichtenforum: Kulturpolitik , 2010

Der Stadtrat von Wittlich beschloss die Umbenennung seines Georg-Meistermann-Museums in Altes Rathaus –städtische Galerie für moderne Kunst. Damit sollte ein Rechtsstreit mit den Meistermann-Erben vermieden werden, die dem Museum nicht länger erlauben wollten, den Namen des 1990 verstorbenen Künstlers zu führen.

Stein des Anstosses ist eine Ausstellung des Wittlicher Bildhauers Hanns Scherl, die dort am 16. Mai 2010 eröffnet wurde. Das Pikante daran: Georg Meistermann hatte unter den Nazis Ausstellungsverbot und war als so genannter „entarteter Künstler“ verfemt. Später profilierte er sich als streitbarer Demokrat, der vehement für die Freiheit der Kunst eintrat. Hanns Scherl hingegen trat 1938 in die NSDAP ein und wurde von der „NS-Kulturkammer Moselland“ als Preisträger ausgezeichnet. Bereits 1936 hatte er einen Holzschnitt zu einem Buch beigesteuert, mit dem Adolf Hitler gehuldigt wurde. Der Historiker Thomas Schnitzler beurteilt Scherl als „überaus angepassten Künstler“; seinen Werken aus jener Zeit sei „die Annäherung an den Nazi-Kunstbegriff anzusehen“. Auch der frühere Trierer Museumsdirektor Dieter Ahrens hält die Wittlicher Lokalgröße lediglich für einen „Volkskünstler ohne große Bedeutung“. Seit Anfang der 1990er Jahre SPD und Grüne eine Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den 2001 verstorbenen Scherl verhinderten, tobte unter Wittlichs Kommunalpolitikern ein erbitterter Kleinkrieg. 2007 sollte Dr. Justinus Maria Calleen, in Personalunion Museumsdirektor, Kulturamtsleiter und Leiter der „Kultur-, Gedenk- und Tagungsstätte Synagoge“ in Wittlich, „per Beschluss gezwungen“ werden, im Museum eine Ausstellung über Hanns Scherl durch zu führen. Nach gründlicher Erforschung von Werk und Vergangenheit des Künstlers lehnte Calleen dies ab. Als er dann auch noch den Kölner Künstler Gunter Demnig einladen wollte,…

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