Gespräche mit Kunstvermittlern · von Helga Meister · S. 430
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1995

»Man muß den Kunstwerken die Möglichkeit geben, fremd zu bleiben«

Helga Meister sprach mit Gerhard Storck und Julian Heynen, Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld, anlässlich der Ausstellung »Der Janustempel«

Gerhard Storck und Julian Heynen vom Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld lieben es, ihren Ort der Handlung zu hinterfragen. „Das Museum – als Janus-tempel“ nennen sie ihre Bestandsaufnahme und lassen die alten Werke weitgehend im Depot. 1997 wird das Haus hundert Jahre alt, es steht gleichsam zwischen Ein- und Ausgang der Moderne. Ganz bewußt verzichten der Chef und sein Stellvertreter auf die Kunstgeschichte. Das Museum sei eher eine offene, zugige Durchgangsstation. Statt eines Musentempels ein unbehau- ster Ort?

*

G. St.: Wir haben hier immer einen offenen Begriff von Kunst und Kunst-Entwicklung ver- treten. Die Moderne kann gar nicht enden, es gibt auch nicht so etwas wie Postmoderne, die Entwicklung geht weiter. Die Frage ist nur, wie sammelt man weiter, welchen Blick wirft man auf das heutige Geschehen, wie verknüpft man die Dinge, die heute passieren, mit denen, die bei uns in den letzten Jahrzehnten geschehen sind. Das ist alles mit eingegangen in den Begriff des Janus-Tempels. Als vor einem Jahr die Skulptur von Thomas Schütte ins Haus kam, hat sie den Anstoß gegeben, diesen Titel zu wählen.

H. M.: Bei der Neueinrichtung der Räume wurde der Blick auf das einzelne Kunstwerk erhöht, es ist aus den stilistischen oder inhaltlichen Zusammenhängen herausgerissen oder befreit. Verabschieden Sie sich vom historischen Kunstmuseum? Geht es Ihnen eher um eine Hit-Liste?

G. St.: Sicherlich geht es nicht um eine Hit-Liste. Und es…

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