Titel: 53. Biennale Venedig · von Susanne Boecker · S.
Titel: 53. Biennale Venedig , 2009

53. BIENNALE VENEDIG: Länderpavillons

Marokko: Fathiya Tahiri, Mahi Binebine

Kurator:Paolo De Grandis / Ort: Chiesa di Santa Maria della Pietà – Castello 3701 (Riva degli Schiavoni)

Fathiya Tahiri, Mahi Binebine

„Ist es der Alleinvertretungsanspruch des Westens in Sachen Kunst oder die Unfähigkeit der westlichen Avantgarde, künstlerische Modernität außerhalb des Okzidents zu begreifen?“, fragte Wolfgang Hunsinger in seiner 2008 erschienenen Studie über zeitgenössische Werke marokkanischer Künstler. „Ist es die rätselhafte Zeichensprache einer islamischen Ästhetik, die dem europäischen Betrachter den Zugang erschwert, deren immanente Spiritualität jedoch Klee bewunderte, und deren metaphysische und kosmologische Vorstellungen dem von Kandinsky postulierten „Geistigen in der Kunst“ entsprechen?“ Eine Möglichkeit zu Auseinandersetzung mit diesen Fragen bietet die Ausstellung im marokkanischen Pavillon.
Der zweite Auftritt Marokkos in Venedig (erstmals beteiligte sich das Land 2005) wurde erneut von dem italienischen Kurator Paolo De Grandis betreut. Dass er mit Fathiya Tahiri eine Künstlerin auswählte, die er bereits 2005 vorgestellt hatte, überrascht. Als zweiten Künstler präsentiert De Grandis Mahi Binebine, der als Schriftsteller zu den international bekanntesten Autoren Marokkos zählt. Binebine malt silhouettenhafte Gestalten, die sich in stummen Kämpfen und schmerzlichen Auseinandersetzungen zu befinden scheinen. Ein immer wiederkehrendes Motiv in seinem Werk sind Masken und Hände. Fathiya Tahiri wurde bekannt durch ihre Schmuckskulpturen. Seit einigen Jahren verarbeitet sie ihre Fantasien auch in großformatigen Gemälden. Eines der ungewöhnlichsten Werke der Ausstellung ist ein großes Gesicht, dessen Züge aus plastisch geformten Zähnen gebildet sind und vor dem eine dicke, fleischfarbene Zunge wie ein obszönes Objekt liegt.

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